schaft nach Familien und Geschlechtern, und diese wurden zu Hundert-schaften zusammengefaßt und nach den Gauen geordnet. Den Familien-häuptern waren die ersten Plätze zugewiesen. — Diese Gliederung, welchefür die Waffenmacht eines Volksstammes befolgt wurde, blieb auch maß-gebend für die Anordnung großer, aus mehreren Volksstämmen gebildeterHeere. Streng voneinander geschieden, stellten sie sich in selbständigenSchlachtkeilen auf, die sich wechselseitig unterstützten. „Acies per cuneoscomponitur."
Das Vertrauen, welches die Deutschen auf den Keilangriff setzten, war sogroß, daß sie sich lange Zeit mit einem Treffen begnügten. Erst die wieder-holten Niederlagen, welche ihnen das römische Treffensystem bereitete, be-stimmten sie endlich zur Anordnung einer Reserve.
Hinter der Schlachtordnung und nicht zu entfernt von ihr fuhr die Wagen-burg auf, sowohl zur Rückendeckung als zur Verhinderung der Flucht. Aufden Wagen standen als Kampfzeugen die Frauen und Kinder der Krieger. IhrZuruf hallte in den Kampf; sie verbanden und erquickten die Verwundeten.Die Heerführer scheinen schon in der ältesten Zeit beritten gewesen zu sein.Sie hielten dem Volke vor der Schlacht eine Anrede, und nachdem dann dieOrdnung vollendet, begann der Gesang der Streiter: Heldenlieder von kräf-tigem Rhythmus; endlich im Augenblicke des Kampfbeginnes stimmten dieDeutschen den „Barditus" (Barritus) den Schlachtgesang an, der mit leisemSummen einsetzte, sich aber nach und nach zu so gewaltiger und stürmischerKraft steigerte, daß Ammianus Marcellinus den Barditus mit dem Toseneiner Brandung an felsiger Küste vergleicht. Dabei hielten die Krieger ihreSchilde vor den Mund, damit der Ton durch das Anprallen um so kräftigerund voller schwelle, und aus der Art des so sich ergebenden Klanges wähntensie eine Vorbedeutung für den Kampfausgang herauszuhören.Das Gefecht wurde von Bognern und Schleuderern begonnen; demnächstnahmen es die Gerschützen auf, und nun kam der Keil heran. Er versuchteentweder den Einbruch mit den langen Spießen, worauf dann das Hand-gemenge mit Streitaxt, Hammer und Frame folgte, oder er benutzte einenTeil dieser Kurzwaffen unmittelbar vor dem Einbrüche zum Wurfe. — BeimAngriffe mit den langen Spießen starrten durchschnittlich fünf bis siebenPikenspitzen auf jeden Mann der Front in den Feind hinein, und für dieSpitze des Keils stellte sich das Verhältnis noch weit günstiger.Beim Gefechte mit den für den Nachwurf bestimmten Waffen sprang derKämpfer dem Ango, der Frame, dem Hammer nach, so daß er fast gleichzeitigmit der geschleuderten Waffe bei dem Getroffenen ankam. War dessenSchild nicht zertrümmert, so suchte man ihn mittelst der steckengebliebenenWaffe zu erfassen und niederzureißen.
Der germanische Eberkopf gewährte dieselben Vorzüge wie die dorischePhalanx: große mechanische Geschlossenheit und Stoßkraft. Seine innereGliederung nach Gauen und Geschlechtern fügte eine moralische Geschlossen-heit hinzu, welche namentlich das Handgemenge begünstigte. Der Einbruchin den Feind galt den Germanen als der höchste Inbegriff der Kriegskunst,und sie strebten ihn sogar da ohne Wahl und Zögern an, wo sie sich strate-
18