Von den oberen Göttern und Göttinen endlich ist zu sagen, daß jede dieserHimmlischen mit Namen oder Gestalt, Waffe oder Gerät, Begleitetier oderanderem äußerlichen Attribut, meist aber auch mit inneren Charakterzügenden mittelalterlichen Teufel germanischer und romanischer Völker aus-gestattet hat; sogar der Vertreter des denkbar schroffsten Gegensatzes zudem König der Finsternis, der lichte Frühlings- und Sonnengott Baidurselbst, hat sich als mittel- und oberdeutscher „Phol" die Dämonisierung
gefallen lassen müssen.--------
Am reichlichsten aber haben begreiflicherweise die beiden obersten Götterder Germanen, haben Donar und Wodan Eigenschaften und Attribute zurGestaltung des Teufels abgeben müssen; sie waren einerseits aus dem Lebenund den Vorstellungen des deutschen Bauern, Kriegers, Jägers am schwierig-sten zu entfernen, und andererseits mußten sie den Priestern als der DämonenOberste gelten.
Dem Gott des Blitzes war die rote Farbe heilig: darum erscheinen heutenoch auf unserer Bühne Mephisto und Samiel in roter Tracht, darum geltenrote Tiere, Pflanzen, Beeren, ja auch rothaarige Menschen heute noch demVolke als dämonisch. Das dem Gott der Kultur geweihte Tier war die Ziege,weil sie gleichsam die äußersten Vorposten menschlicher Siedlungen auf denunwirtbaren Felsgebirgen ausstellt; es ist aber bekannt, daß der Teufel nichtnur gern auf einem Bocke reitet, daß er selbst Bockshörner, Bocksbart,Bocksschweif, Bocksklauen trägt, ja daß er ganz und gar in Gestalt einesschwarzen Bockes zu erscheinen liebt, so daß die Hexen auf dem Blocksbergund manche Sekten von Ketzern, welche man des Teufelskultus bezichtigte,auf der Folter darüber befragt wurden und oft geständig aussagten, daß sieden „schwarzen Bock" geküßt oder angebetet. Die Waffe des Donnergottes istder Hammer; der Teufel aber heißt euphemistisch „Meister Hämmerlein". — —Die Erbstücke aber aus dem Nachlaß unseres obersten Gottes, Wodans,welche der Teufel geholt hat, sind so mannigfaltig, daß wir uns hier nur aufein Inventar der wichtigsten einlassen können, ohne Vollständigkeit irgendanzustreben. Schon in der äußeren Erscheinung gleicht der Teufel, nament-lich wie er in den Akten der Hexenprozesse geschildert wird, dem Götterkönigzum Verwechseln. Er trägt des Gottes Schlapphut tief in die Stirn gedrückt,den langen blauschwarzen, reichfaltigen Mantel um die Schultern geschlagen,und „Junker Wöden" ist einäugig — das andere Auge ruht als Pfand, vonWodan eingesetzt, in Mimirs Brunnen.
Die dem Gott des Schlachtfeldes geheiligten Tiere sind der Leichenwolf undder Walrabe, bekanntlich aber sind Wolf und Rabe die häufigsten Begleiter,Boten oder auch Inkarnationen des Satans; ein „Hellwolf" geistert auf derDorfstraße um Mitternacht, und ein krächzender Rabe sitzt auf der Schulterdes Albertus Magnus oder des Erfinders des Schießpulvers, Berthold Schwarz,oder der Buchdruckerkunst, Johann Fust, oder des bibelübersetzenden Luthers;es ist Hugin, Odins Gedanke, der auf seiner Schulter sitzend ihm Weisheitins Ohr raunt.
Der Teufel ist auch, wie männiglich bekannt, der Anführer des wilden Heeres,der wilden Jagd, und alle seine Waidgesellen sind der Hölle verfallen; der
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