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2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
Entstehung
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zu stürzen, die göttliche und natürliche Ordnung der Welt zu zerstören trach-ten: denn Äsen, anses, aesir, bedeutet nichts anderes alsBalken", alsTragbalken des Himmels, des Kosmos, der Natur und des Geistes.Es lag nun den christlichen Priestern sehr nahe, in den Riesen teuflischeGewalten im Ringen mit Gott dem Herrn zu erblicken: und so sind dennzahlreiche Einzelzüge, ja ganze Gruppen von Vorstellungen und umfangreicheGeschichten der Riesensage in die Teufelsmythen herübergenommen worden.Im Verlaufe jenes, die Jahrhunderte erfüllenden Kampfes gelingt es denGöttern wiederholt, einzelne gefährliche riesige Ungeheuer zu bewältigen undin Ketten zu schlagen. So die Midhgardschlange, das die bewohnbare Erdefeindlich umgürtende Weltmeer; den Fenriswolf, den personifizierten Rechts-bruch: ein Schwert sperrt dem Gebändigten die beiden Kiefern auseinander,ganz ebenso, wie noch die im 14. Jahrhundert entstandenen Bilder zumSachsenspiegel denÄchter" (das heißt den friedlos gehetzten Rechtsbrecher)als einen wolfshäuptigen Mann mit einem Schwert im Rachen darstellen;den bösen Loki, den listigen Verderber, das Feuer in seiner schädlichen Wir-kung und andere Ungetüme riesischen Wesens. Aber am Ende der Dinge,wann die Götterdämmerung naht, reißen sich die Gefesselten los und schaltendann, Unheil stiftend, mit List und Gewalt über die Erde hin unter den Men-schen: einzelnen gelingt es auch früher schon, auf kurze Zeit sich loszu-machen und verderblich zu wüten wenigstens besteht immer die Furchtdavor: und wo Ungeheueres in Natur oder Menschengeschick sich begibt,wo Wassergewalten, Feuersglut, Felsensturz, Erdbeben oder Seuche, wofurchtbare Bruderkriege, Mordtaten, wahnsinnige Frevel ganze Geschlechterund Völker heimsuchen und ergreifen, da führt solches Unheil das bangeGemüt auf jene riesischen Dämonen zurück, welche auf Zeit die wohltätigenFesseln der Götter gesprengt haben.

Dieser ganze Kreis von Vorstellungen nun ist auf den christlichen Teufelübertragen worden: und zwar teils abstrakt auf den Teufel im allgemeinenund das große Weltdrama, teils konkret und lokal auf bestimmte Gefahren,welche einzelne Gegenden und Orte bedrohen und zu Zeiten von hier ge-fesselten und sich losreißenden Teufeln und Ungetümen über dieselben herbei-geführt werden.Da ist der Teufel los!"Da ging der Teufel los" (wasnicht etwa ursprünglich heißtda fing er an", sondern ganz buchstäblichund sinnlich:er machte sich los" wie der gefangene Fisch von demHamenlos geht") sagen wir ganz allgemein, wenn plötzlich Verwirrung,Lärm, Streit, Unrecht in bisher friedlichen Beziehungen der Menschen an-hebt: es ist der gefesselte Dämon, der seine Bande gesprengt hat und nun,

frei schaltend, Unheil stiftet.-------

Wie die ungeschlachten Feinde der Götter, die Riesen, haben auch die win-zigen und zierlichen Mittelwesen, die Zwerge und die Eiben, sich der Ver-gröberung und Verhäßlichung, der Hinunterzerrung in die Kategorie derTeufel nicht erwehren mögen. Gar mancher Hausgeist und Hauskobold, manchWichtelmännchen undUntersberger Mandl", an dem nur etwa die Enten-oder Ziegenfüße die geisterhafte Natur verrieten, hat sich das hübsche roteHauskäppchen durch die häßlichen Teufelshörner ersetzen lassen müssen.-------

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