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2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
Entstehung
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Erde sich aus dem Meere, die Sonne hat eine Tochter geboren, so schön wiedie Mutter, deren Bahn sie wandelt. Die Äsen leben auf und das Geschlechtder Menschen erblüht neu in heiligem Frieden.

Was in den irdischen Erscheinungen Odins widersprechend und rätselhaftsich darstellen mochte, wird in der Beziehung auf dies sein höheres Lebenausgeglichen und erklärt. Es ist überall der gleiche Grund, warum er Heldenund Heldenstämme pflegt, waffnet, wunderbar begabt, warum er sie an-feindet, aufreizt, verderbt. Er dürstet nach Seelen der Tapfern, darum suchter die Häuser der Helden auf, erzieht und rüstet ihre Söhne zur Tapferkeit,stiftet große Kämpfe, darin sie sich bewähren kann; er will nur solche, dieim Streit gefallen sind oder freiwillig sich den Tod gegeben. Seine Günstlingemüssen die Seelen ihrer Erschlagenen ihm geloben, ihnen selbst gibt er Helden-ruhm und kurzes Leben, oder, wenn sie gealtert sind, erbarmt er sich ihrerund rafft selbst sie gewaltsam hin. Aber nicht leere Lust am Tode der Tapferntreibt ihn, er bedarf ihrer, doch eben nur ihrer, als Erprobten, und dieserkann ihm nie zuviel werden, zu jenem größten, Ungeheuern Kampfe, welcherder Welt und den Göttern selbst den Untergang droht.Diese Ansicht von Odin ist ein Glaube der Wehrhaften und Rüstigen. Erwurzelt in den Verhältnissen und Gesinnungen eines kriegsmutigen Volkes,das für die ewigen Kämpfe, darein es gerissen ist, höhere Bedeutung undWeihe sucht. Ihm ist das Leben der Tüchtigen ein Kampf, ihre Zukunftein größerer, göttlicher Kampf, wozu der irdische als Übung und Probe dient.Selbst die Lust des himmlischen Daseins ist ihm ein Kampfspiel, ein stetserneuter Wechsel von Waffentod und Wiederaufleben. Der Geist, der dieWelt bewegt, ist ihm ein Gott des Krieges. Odin, der höchste und mächtigsteder Äsen, der, nach der Eddalehre, den ersten Menschen den Geist eingehaucht,der den Schiffern Fahrwind und den Sängern Begeisterung gibt, er ist auchder Kriegssturm, der die Seelen der Männer zu Kraft und Tat aufregt. Er-finder der Schlachtordnungen, wird er, wenn die Schlacht am wildesten wogt,den Kämpfenden sichtbar und nimmt seine köstliche Beute. Heervater,Siegvater, Walvater wird er angerufen, gemäß solchem kriegerischen Wirken.Die Menschen schreiten über die Erde hin, wie ein Heereszug, und die Blütedes Lebens ist ein Todeskampf. Die nicht mit dem Zuge können, die Schwachen,Feigen, Siechtoten, fahren auch nicht zu Odin und seiner leuchtenden Halle,sie müssen hinab zu Hels dunkler Wohnung. (Ludwig Uhland, Vorlesungen,1829/32.)

DIE GERMANISCHEN GÖTTER UND DER CHRISTLICHE TEUFEL

Betrachten wir jene Elemente des germanischen Götterglaubens und Götter-kultes, welche in das Bild des christlichen Teufels übergegangen sind, sobietet sich von selbst eine aufsteigende Linie dar: Von den dumpfen Natur-gewalten, den Riesen, welche als Feinde der Walhallagötter erscheinen, durchdie zahlreichen Mittelwesen hindurch bis empor zu den Höchsten der Äsen.Bekanntlich durchzieht die gesamte germanische Mythologie der Kampf derÄsen mit den Riesen, welche den Walhallahimmel zu stürmen, die Götter

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