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2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
Entstehung
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An die Stelle der Götter, als Stammväter der Könige, sind in den deutschenÜberlieferungen dunkle Geister getreten. Solcher Abkunft verdankt Dietrichvon Bern die Flamme, die ihm, wenn er zürnt, aus dem Munde fährt.Die Wunder des Ursprungs setzen sich fort in den Schicksalen der erstenKindheit, welche unsern Helden mit denen vieler Völker gemein sind. Wolf-dietrich hat kaum das Licht erblickt, als der Wolf ihn zu seinen Jungen indie Höhle trägt, die jedoch, nicht klüger als das Kind, ihm kein Leides tun.Nach der anderen Erzählung wird er am Waldbrunnen den wilden Tierenausgesetzt, von den Wölfen aber nicht beschädigt, sondern gehütet. Derneugeborene Siegfried wird, nach der Wilkinensage, bei dem Tode seiner ver-folgten Mutter dadurch gerettet, daß er, in ein gläsernes Gefäß verschlossen,in die See treibt; dann säugt eine Hindin ihn zwölf Monden lang, daß er sogroß und stark wird, als andere Knaben vier Winter alt. Derlei Sagen könnenin mehrfacher Bedeutung aufgefaßt werden: als Beweis, daß der Göttersohnim Schutze höherer Macht gestanden, als Erklärung der gewaltigen Körper-kraft des von Waldtieren großgesäugten Wunderkindes, besonders aber alsVerherrlichung des Helden, der aus dem Zustande der Verwerfung und tiefstenErniedrigung um so glänzender in der Kraft und Schönheit seiner erhabenerenNatur hervorgeht. Gleichwie die altdeutsche Poesie in der Darstellung derNatur den Frühling liebt, so denkt sie ihre Heldenkönige sich überall in derBlüte jugendlicher Schönheit. Diese Voraussetzung findet durchaus statt,sie ist, wenn auch ausgeführte Gemälde nicht leicht vorkommen, schon inder allgemeinen Farbe der epischen Bezeichnungen angedeutet, die Schönheitist überhaupt weniger beschrieben als in Handlung gesetzt und erscheintoft überraschend in lichten Punkten der Geschichte. Hugdietrich kann sichwohl als Jungfrau verkleiden, denn sein Antlitz ist rosenfarb, gelbe Lockenschwingen sich ihm über die Hüfte nieder, und als er im Frauengewand zurKirche geht, fragen die Leute, wer die Minnigliche sei. Soviel schöne Jung-frauen an Heikens Hofe sind, doch wird der junge Dietleib noch schönergefunden; goldfarbene, magdliche Haare hängen ihm über die Schwertfesselherab, mit denen er sich vor Regen decken kann, wie ein Falke mit den Fittigen.Als Kriemhild Siegfrieden zum ersten Male grüßt, da sieht sie ihn vor sichstehen, wie seine Farbe sicherzündet"; zuletzt läßt sie den Sarg des Er-mordeten erbrechen, um noch einmal seinschönes Haupt" zu sehen, dassie mit ihrer weißen Hand erhebt, während ihre lichten Augen Blut weinen.Von Dietrich meldet die Wilkinensage, er habe, so alt er geworden, nie einenBart gehabt; ein Zeichen, daß er stets als Jüngling gedacht werden muß,wenn auch Schicksale und Taten auf seine Schultern gehäuft sind, die einlanges Leben zu erfordern scheinen.

Der Schmuck goldener Locken, in dem uns die Helden vorgeführt werden,ist teils ein Bild der Jugend, teils wohl auch ein Merkmal edler Abkunft, wiein den Märchen verlorene Königskinder an ihren Goldhaaren wiedererkanntwerden, oder an einem goldenen Stern auf der Stirne, und in dem Gedichtevon den Hegelingen der von den Greifen entführte Hagen ... an dem gol-denen Kreuz auf seiner Brust.Die Jugend aber, die wir bisher nur in ihrem äußeren Gepräge beobachtet

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