Die Züge, die dem Glied einer friedlichen Gesellschaft Wert geben, standenbescheiden hinter jenen Notwendigkeiten zurück. (Andreas Heusler, DasStraf recht der Isländersagas, 1911.)
DER SCHWERTEID
Göttliche Verehrung des Schwertes ist von manchen barbarischen Völkern,unter den deutschen namentlich von den Quaden, berichtet. Als Zeichensolcher Verehrung wird das Schwören auf das Schwert angeführt, besonderszur feierlichen Bekräftigung von Friedensverträgen. Franken, Sachsen,Dänen, Normannen sehen wir nach Volkssitte den Eid des Friedens und derTreue auf ihre Waffen schwören. Sie schwuren bei dem, sagt ein fränkischerGeschichtschreiber von den Normannen, wovon sie vor allem Schutz undHeil erwarteten. Auch die Gesetze der Langobarden und der Bayern kennenden Eid auf geweihte Waffen, neben dem auf die Evangelien. Noch bis zum15. Jahrhundert erkennen die Gerichte den Eid auf das Schwert.In den Heldenliedern der Edda soll bei Schiffes Bord und Schildes Rand, beiRosses Bug und Schwertes Schneide geschworen werden. Darum wird auchdem Eidbrüchigen geflucht, daß ihm das Schiff nicht schreite, wenn aucherwünschter Wind wehe, daß ihm das Roß nicht renne, wenn er vor denFeinden fliehen müsse, daß ihm das Schwert nicht schneide, als auf seineigen Haupt. Der deutsche Siegfried stößt vor dem Drachensteine sein Schwertin die Erde und schwört darauf drei Eide, daß er nicht ohne die Jungfrauvon dannen kehren wolle.
Bei der Betrachtung des Mythischen ist angeführt worden, wie der Helden-jüngling von Odin selbst oder von der Walküre, die über ihm waltet, zuerstdas Schwert empfängt. Diesem höheren Ursprung gemäß haften auf solchenWaffen wunderbare Kräfte und strenge Geschicke, die durch ganze Ge-schlechter fortwirken. (Ludwig Uhland, Vorlesungen, 1829/32.)
GERMANISCHER ZAUBER
Wo Macht und Schatz dem Deutschen nicht ausreichten, suchte er den Willender Götter zu erkennen und sich geneigt zu machen. Sie sprachen zu ihmdurch Zeichen, welche sie sendeten, durch Donnerschlag, Hagel und fallendeSterne, durch Gesang und Flug der Vögel, welche ihnen heilig waren, durchdas Wiehern der Rosse und den Angang der Tiere im Felde. Das Leben derNatur, so vertraut und so fremd der Menschenseele, kündete mit tausendStimmen, was die Götter über das Schicksal der Sterblichen fügten. Wennder Aar in der Luft mit seinen Flügeln beschützend über einem Gefangenenschwebte, so schloß der Sieger, daß dieser Mann zu großen Dingen bestimmtsei, er löste ihn von seinen Banden und schickte ihn frei in die Heimat, nach-dem er ihm einen Eid abgefordert hatte, daß er nie etwas gegen den Siegertun werde. Wenn der Storch von einem Mauerturm, wo er genistet, auszog,indem er die schwächste Brut auf dem Rücken davontrug, dann erkannte
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