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2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
Entstehung
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Taten und den Schicksalen der Ahnen, der Sänger griff in die Saiten undsang sein Lied von dem Stammeshelden, der den menschenfressenden Nichusim Ringkampf tötete, oder den schätzehütenden Drachen erschlug, den ver-hängnisvollen Schatz erhob und dafür dem Fluche verfiel, umherzuirren, inder Fremde zu dienen und zu fallen als ein Opfer dunkler Mächte. Langedauerte das Gelage, die Germanen konnten kein Ende finden, geräuschvollwurde der Verkehr unter den Zechenden, leicht griff die Hand des Verletztenzur Waffe, und die Zucht des Hauses erwies sich oft zu schwach, plötzlicheWut oder langverhaltenen Groll zu zügeln. War das Mahl spät beendet,dann begab sich der Wirt in den Frauenraum, entweder ein gesondertes Ge-bäude oder eine Seitenkammer des Hauses. Dann lagerte ein Teil der Herdgenossenin der Halle, die Bänke wurden zurückgeschoben und Polster auf den Bodengelegt, darüber Tierfelle und Decken. War die Zeit sorglich, dann stützten sieden Heerschild an die Bank zu ihren Häupten, legten Helm, Brünne, Speerdarauf, denn zu jeder Stunde zum Streit fertig zu sein, ziemte nützlichem Manne.Nahten aber dem Herrnhause bewaffnete Fremde, dann wurden sie von demMann, der an der Mark die Wache hielt, angerufen und nach dem ge-heimen Schutzwort, der Losung, gefragt. Bekannten sich die Kommendenals Fremde und erklärten sie freundliche Absicht, so geleitete sie der Wächterbis an den Hof, dort saßen die Fremden auf der Bank vor dem Hause nieder,stellten die Speere zusammen, lehnten die Schilde an die Wand und harrtender Einladung. Ein anderer Mann des Häuptlings, der Bote, kam aus demHause, frug nach Namen und Begehr und meldete an. Die Fremden tratenunter dem Helm auf die Schwelle. Hier sprach der Fremde dem Wirt denHeilgruß aus, der Hauswirt, dem persönliche Begrüßung Pflicht war, ant-wortete und lud zum Sitzen; war Speise und Trank gereicht, so war dasGastrecht gewährt. Wenn der Fremde ein bedeutender Mann war, so wurdeihm zu Ehren das Haus festlich geschmückt und farbige Gewebe an die Wändeder Halle gehängt. Das Fest wurde gefeiert durch Wettlauf der Rosse, durchWettkampf der Männer im Sprung, Gerwurf, Steinwurf und Steinstoßen, denalten Turnspielen der Indogermanen, und durch Waffentanz und Gesang.Für solches Leben im Hause wurde Abwechslung ersehnt in kriegerischenFahrten. Auch beim Kampf stand das Gefolge des Häuptlings in einem Gegen-satz zum Volksheer. Es war häufig beritten und bildete eine schwere Reiterei,jeder Reiter mit einem Fußkämpfer gesellt. Saß der Häuptling unfern derSee, dann standen im Strom oder der Bucht seine Schiffe, geglättet und hell-getüncht, wie Eis glänzend, am Vordersteven mit Ringen geschmückt. Teuerwar dem Norddeutschen das Schiff wie sein Roß, die Arbeit seiner Händebetrachtete er gern als ein lebendes Wesen. Es war sein Seepferd, sein Wasser-vogel, die Höhlung war die Brust, das Vorderteil der Schaumhals, auf ihmfuhr erdie Wallfischbahn",den Weg des Schwans",das Robbengebiet"entlang zu Gastbesuch oder ruhmvoller Tat in die Fremde. Waghalsig durch-furchten die Bankgenossen das stürmische Nordmeer mit Ruder und Segel,Tage und Wochen lang den Sternbildern folgend oder klugem Bericht alterSeefahrer, bis die Wegmüden die Klippen des Landes auftauchen sahen, die ra-genden Strandhügel, die langen Landzungen und die schäumende Brandung.

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