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2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
Entstehung
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unter Südslaven hat er bis in die neue Zeit gedauert. Wir vermögen denRömerbericht aus den ältesten Dichtungen der Angelsachsen zu ergänzen,welche allerdings nach der Völkerwanderung aufgezeichnet wurden, aberzum Teil Zustände schildern, welche aus sehr früher Zeit geblieben waren,wenn auch mancher Brauch erst in den Jahrhunderten der Wanderung ein-geführt wurde. Der Häuptling war umgeben von einer männlichen Haus-genossenschaft, welche nicht nur aus seinen Söhnen und Seitenverwandten,den Magen, bestand, auch aus Jünglingen und Männern des Volkes, die ihrSchicksal freiwillig an das seine geschlossen hatten. Sogar der Jünglingaus Götteradel, der Fürstensohn, trat in Gefolgschaft und Haushalt einesbewährten Häuptlings, bei diesem seine Lehrzeit für Kampf und Rat durch-zumachen. Die Mehrzahl der Mannen aber bestand aus solchen, denen daseigene Heim und die Arbeit des Feldes nicht lockend war. Poesie und Gemütder Deutschen wetteiferten, dies Verhältnis mit schönen Farben zu schmücken,aber seine Grundlage war gegenseitiger Nutzen. Der Hausherr übernahmdie Sorge für den Lebensunterhalt und die Ausrüstung seines Gefolges, erhieß der Wirt, er war nicht nur Spender von Speise und Trank, ihm ziemteauch, freigebig für treuen Dienst zu sein mit Waffen, Armringen, Rossen.Den erprobten Mann hatte er wohl auch mit Land auszustatten und ihmein Weib zu vermählen aus seiner Sippe oder der Nachbarschaft. Die Ge-nossen seiner ,,Methbank" geleiteten ihn dafür zur Versammlung, auf Reisen,im Kriege. Im Hause halfen sie bei männlichem Dienst, richteten die Rosseab, jagten und zerlegten das Wild und lungerten auf der Diele. In ansehn-licherem Haushalt versahen sie Ehrenämter, des Boten, welcher Nachrichtentrug und anmeldete, des Redners, der wohlgefügter Worte mächtig war,des Sängers und des Truchsessen. Im Kriege hatten sie die Waffenämter,ein vertrauter Mann stand in der Schlacht an der Achsel des Herrn, einerreichte den bemalten Schild. Der größere Häuptling führte außerdem einenSpeer mit farbigem Bande und es war ein starker Mann, der ihm die Kriegs-fahne trug. Wollte der Mann eines Häuptlings in eigenem Geschäft zurFremde, so mußte er die Erlaubnis seines Wirtes werben; gewann er in derFremde Ehre und Gut, so hatte der Wirt Teil am Ruhm und am Gewinn,denn es war schicklich, daß ihm der Mann von seinem Erwerbe abgab.In der großen Halle des Herrnhauses sammelten sich die Bankgenossen umden Herd, sie saßen zum Mahle in Reihen auf erhöhtem Sitz, in der Mitteauf dem Herrnstuhl der Wirt. Bei mehreren deutschen Stämmen nichtbei allen teilte die Hausfrau den Herrnsitz, sie und die Töchter schenktendas Bier und den Meth in Krüge aus Eichenholz, welche vor dem Mahl reihen-weise an der Wand gehangen hatten. Am Herde aber war der große Brau-kessel befestigt, das geweihte Gerät des Hauses, über dem die Hausgenossenihre Gelübde taten. Jedem einzelnen war wichtig, wo er saß; dem Fremden,der gastlich aufgenommen wurde, den rechten Platz zu geben, war eine ernsteSache, denn tief kränkte Zurücksetzung. Beim Mahle öffnete sich zwanglosdas Gemüt in Scherz und. kluger Rede. Mit fein gestellten Worten und An-spiegelungen zu necken und sich zu verteidigen, mußte der tüchtige Mannverstehen. Dazwischen unterhielten Erzählungen der Alten von eigenen