Wohlstand zu erwerben, der bei friedlichem Hufenbau in der Gemeinde un-möglich war. Am reichlichsten freilich, wenn der Mann auf eigene Handauszog oder sich mit wenigen Genossen zu gemeinsamer Fahrt verschwor,denn im Volkskrieg wurde der Gewinn dem Einzelnen zugeteilt. Wie alles,was der Germane aus sich heraus bildete, eine einseitige Größe und Strengezeigt, so auch die rücksichtslose Hingabe an die wilde Poesie des Kampfes.Ihn trieb der Schlachtengott wie Sturm und Flammen gegen die Feinde; dieSchrecken des Todes verachten, das Ungeheure wagen, war des Kriegers Ehre.Auch die Schlacht wurde betrachtet als ein vereinter Kampf vieler Einzelnengegen Einzelne, die Kraft des Starken im Kampfgewühl wurde vor allemgefeiert; wer viele Feinde erlegt hatte, war der größte Held. Auch hier war,wie im Volke, der Zusammenhang der Massen schwach, die Kampftüchtig-keit der Führer erschien bewundernswerter als ihre Kunst zu leiten; auchhier war der Gehorsam gering, der eigenwillige Stolz des Einzelnen nichtzu bändigen.
Doch merkwürdig, diesem verhängnisvollen Freiheitsgefühl des Germanenstand gegenüber eine Geneigtheit, sich rücksichtslos anderen hinzugeben, dieebenfalls in sehr eigentümlicher Weise hervorbrach. Es war eine Hingabean Personen, entweder einseitig oder mit gegenseitiger Verpflichtung. Ger-manisch war bei diesem Verhältnis, daß es freiwillig sein mußte, daß es durcheine Art feierlicher Verpflichtung geschlossen wurde, daß diese Hingabe nichtan die Familie, den Gau, das Volk stattfand, sondern an einzelne Menschenoder an einen Gott, und daß solche freiwillig übernommene Pflicht für diehöchste irdische galt. Die Selbstentäußerung, welche sie forderte, die Treue,welche dabei geübt wurde, war Stolz und Ehre des Sterblichen. Er schließtdiese Verbindung für das Leben, auf Zeit, für ein bestimmtes Geschäft; durchSchwur und sinnbildliche Handlung, durch Anlegen des Ringes oder Bandes,oder durch geweihten gemeinsamen Trunk wird sie gefestigt. Selbstwillig beijeder Gelegenheit, überwand der Germane die Selbstsucht in dieser Form.Der Gatte gelobte sich dem Gatten, der Gespiele schloß mit dem Gespieleneinen Bruderbund. So band sich auch der Kriegsmann dem Kriegsgott; danntrug der Chatte den eisernen Ring als Zeichen seiner Hingabe, und bildetemit den gleich ihm gefesselten Genossen im Kampf die erste Schlachtreihe,die der Geweihten. Diese grimmigen Dienstmannen des Gottes waren auchim Frieden auffallende Gesellen. Sie sorgten nicht um Weib und Gut, als„Hagestalde" trieben sie ihr ganzes Leben umher und saßen an fremdemHerde, verschwenderisch mit dem Gut anderer, gleichgültig gegen Erwerb,als harte Kampfgenossen geehrt von den Männern, höchlich bewundert vonder Jugend. (Gustav Freytag, Bilder aus der deutschen Vergangenheit, 1867.)
GEFOLGSCHAFT
Unter den Verbindungen, welche durch Treuschwur und freiwillige Hingabegeweiht waren, tritt in ältester Zeit das Gefolgewesen bedeutsam hervor.Tacitus entwirft eine lebhafte Schilderung von diesem uralten Bund. Er warnicht bei den Deutschen allein heimisch, auch bei den Kelten bestand er,