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2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
Entstehung
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So singt Hölderlin von der beginnenden Nacht im Süden, wo jeder Stein dieEwigkeit der Götter zu verheißen schien, wo die Völker seit einem Jahr-tausend fest um die ehrwürdigen Stätten saßen.

Die germanischen Stämme aber der großen Wanderungszeit, in der eine un-begreifliche Unruhe unseren Erdteil erschütterte, verließen, oft ohne Not undZwang, ihre heiligen Wälder und Stätten, sie verließen Heimat und heimat-lichen Götterdienst, sie kamen in Länder, wo die zersetzenden Gedanken derWeltweisen über den Götterglauben schon in alle Schichten der Völker ge-drungen waren, wo damals der schreckhafte Ruf erscholl:Der große Panist totl" Sie verloren die Erinnerung an ein überirdisches gebundenes Daseinauf jenen irren Zügen, in den immer erneuten Mühen eines rastlosen Daseins,wo nichts galt als der Ausbruch gesammelten Menschentrotzes, als der un-beugsame Wille und die Kräfte, die in der kämpfenden Gemeinschaft undder blutverbundenen Sippe verhaftet waren. Des Helden bedurfte man, nichtdes Gottes.

Das Christentum aber vermochte, als die alten Götter tot waren, nirgendsin die Heldendichtung einzudringen. Nicht götterlos nur, sondern allesGöttlichen entleert lebte sie im Mittelalter weiter,ohne irgendeine Spurvon irgendeinem himmlischen Reflekt", wie Goethe bei der Betrachtung desNibelungenliedes bemerkte, uneingefügt in das christliche Weltall, dennochaber keinwahres Heidentum", wie er wähnte: denn auch die Erdschauerder vorgöttlichen Welt waren in den großen Epen zur unterhaltenden Phan-tastik verdünnt und der große Leidensgang des schicksalumsponnenen Heldenzum reckenhaften Abenteuer geworden.

Aber jenes Sterben der Götter, der Wirbel an gewaltiger Zeitenwende, in dendie Geburtsstunde der frühen Heldendichtung der Germanen fiel, färbte siemit jenem dunklen Leid der einsamen Untergänge, das durch alle Tatfülleund geschlossen-menschliche Unbedingtheit hinschwingt und jeder Tat,jedem Streben auch in die dämmrigste Ferne, jedem Steigen durch wegloseWälder und jeder Fahrt über das Ungeheuer erfüllte Meer einen Ton vonHoffnungslosigkeit, Unendlichkeit, Unvollendetheit beimengt. Erst dienachheldische Zeit des Wikingerlebens bringt den hellen freudigen Ton desfröhlichen Gelingens, der glückhaften Fahrt. (Friedrich Wolters und CarlPetersen, Die Heldensagen der germanischen Frühzeit, 1922.)

GERMANISCHER KAMPFGEIST

Jedem jungen Volke ist Krieg die männlichste Arbeit, die Erinnerung daranist ihm begeisternde Poesie. Kein Volk hat je die Poesie des Kampfes mit soleidenschaftlicher Hingabe empfunden als die Germanen. Ihr höchster Gottwar der Seelenführer, der die gefallenen Helden in seinem Himmel sammelt.Was der Vater den Söhnen erzählte, was der Sänger sang, waren die Groß-taten der Vorfahren. Nur wer sich im Kampf bewährt hatte, konnte auf Gel-tung in dem Volke hoffen. Dazu kamen seit den ersten Römerkriegen nochandere reizvolle Bilder der geschäftigen Phantasie. Der Kampf gab schöneWaffen, Beute, Herden und dienende Arbeiter, in ihm vermochte jeder den

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