87kaster versunkenes Volk in Ordnung bringenwollen.Viele Nationen haben auf der Erde geglänzt,ohne einer guten Gesetzgebung auch nur em-pfänglich gewesen zu seyn, und die wenigen,welche hierin eine Ausnahme machen, waren esdoch nur eine kurze Zeit ihrer Dauer hindurch.Die Voͤlker ſind, wie die Menſchen, nur in ihrerJugend guter Lehre fähig; sie werden im Alterunverbesserlich. Sind die Gewohnheiten einmalim Gange, und die Vorurtheile eingewurzelt;so ist es so gefährlich, als vergeblich (u), sie(u) Wenigstens kommt es dann desto mehr auf dieArt an, womit dabey verfahren wird: vis consiliiexpers mole ruit sua, vim moderatam Di quo-que provehunt in majus. Wird die Ausrottunggeradezu betrieben, ohne Bedachtnehmung auf dieregsamere Gemüthsvermögen der Menschen, undohne sogleich etwas eingreifenderes an die Stelledes Abgestellten zu bringen: so muß nothwendigUnheil, Zerstörung und Widerstand daraus erfol-gen, und alles beym Alten bleiben. Aber eben dieAnhänglichkeit, womit die Menschen an einigenVorurtheilen haften, ist ein Beweis ihrer Empfäng-lichkeit für das Gute und Wahre; denn gerade dieVorurtheile, welche sich ihrem Ursprunge nach inetwas Erhabenes, oder Edles auflösen, sind überalldie hartnäckigsten. Die Aufgabe der Volksaufklä-rung besteht also darin: den Sinn für Ordnung
Druckschrift
Ueber den Staatsbürgervertrag oder Grundsätze des öffentlichen Rechtes
Entstehung
Seite
87
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten