welche dem Gewitter vorher zu gehen Pflegen, liefen sichtlich dahin, sie hatten schon die Sonneüberholt, standen bereits über den Häuptern der Zuschauenden und eilten gegen Morgen.
Abdias hatte im Innern des gebauten Obdaches mehrere Garben zu einem Sitze zurechtgelegt, und setzte sich hinein. Ditha, mit der den Kindern eigenthümlichen Liebe zur Heimlich-keit setzte sich in dem kleinen gelben Häuschen zu ihm. Der vor ihnen gegen Morgen offen ge-lassene Raum nützte gerade so viel, daß sie zu ihren Füßen ein Theilchen Stoppelfeld sahen,dann ein Stückchen Flachs, und oben die grauen luftigen Schleier, die am Himmel hinzogen,auch konnten sie die Lerche hören, die oberhalb des Flachses sang. Die Donner waren nochimmer ferne, obgleich die Wolken schon den ganzen Himmel angefüllt hatten, und nicht nur über ihreHäupter, sondern auch schon weit gegen Morgen hinaus gegangen waren.
In diesem Verstecke saßen sie und sprachen mit einander.
„Glaubst Du nicht auch," sagte Ditha, „daß die Wolken gar nicht dicht sind, und daß siegewiß nicht große und gar schwere Tropfen werden fallen lassen? Es wäre mir leid, wenn siedie feinen schönen Linnenblüthen herabschlügen, die heute erst aufgebrochen sind."
„Ich denke, daß sogar schwere Tropfen die blauen Blätter nicht abzuschlagen vermögen,weil sie erst heute aufgeblüht sind, und noch strenge haften," sagte Abdias.
„Ich liebe die Flachspflanzen sehr," fing nach einer Weile Schweigens Ditha wieder an,„es hat mir Sara auf mein Befragen vor langer Zeit, da noch das traurige schwarze Tuch inmeinem Haupte war, vieles von dem Flachse erzählt, aber ich habe es damals nicht verstanden.Jetzt aber verstehe ich es und habe es selbst beobachtet. Sie ist ein Freund des Menschen,diese Pflanze, hat Sara gesagt, sie hat den Menschen lieb. Ich weiß es setzt, daß es so ist.Zuerst hat sie die schöne Blüthe auf dem grünen Säulchen. dann wenn sie todt ist, und durchdie Luft und das Wasser zubereitet wird, gibt sie uns die weichen silbergrauen Fasern, aus denendie Menschen das Gewebe machen, welches, wie schon Sara sagte, ihre eigentlichste Wohnungist, von der Wiege bis zum Grabe. Siehst Du, das ist auch wahr: — wie sie nur so wun-derbar, diese Pflanze zu dem weißen lichten Schnee zu bleichen ist — dann legt man die Kinder,wenn sie recht klein sind, wie ich war, hinein, und hüllt die Glieder zu — ihrer Tochter hatSara viel Linnen mit gegeben, da sie fort zog, um den fremden Mann zu heirathen, der siewollte; sie war eine Braut, und je größere Berge dieses Schnees man einer Braut mitgebenkann, desto reicher ist sie — unsere Knechte tragen die weißen Linnenärmel auf den bloßen Armen— und wenn wir todt sind, hüllen sie die weißen Tücher um uns, weißt Du."-
Sie schwieg plötzlich. Ihm war es, als hätte er seitwärts an der Garbe einen sanftenSchein lodern gesehen. Er dachte sie habe wieder ihren Schimmer; denn er hatte schon früheralle Spitzen von Bändchen und Haaren an ihr aufwärts stehen gesehen. — Aber sie hatte ihrenSchimmer nicht gehabt. Da er hinblickte, war schon alles vorüber. Es war auf den Scheinein kurzes heiseres Krachen gefolgt, und Ditha lehnte gegen eine Garbe zurück, und war todt.
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