Druckschrift 
Abdias
Entstehung
Seite
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Blüthe, und auf den kleinen zitternden Blättchen, über die kein Lüftchen ging, war eine großeAnzahl von Thierchen.

Was thust Du denn hier, Ditha?" fragte Abrias,

Ich schaue meinen Flachs an," antwortete das Mädchen,siehe, gestern war keineeinzige Blume offen, und heute sind sie alle da. Ich glaube, die Stille und die Wärme habensie hervorgetrieben."

Siehst Du nicht die Wolken am Himmel," sagte Abdias,sie kommen herauf, undwir müssen nach Hause gehen, sonst wirst Du naß und krank."

Ich sehe die Wolken," antwortete Ditha,aber sie kommen noch nicht so bald, wir

können schon noch hinunter gehen. Wenn sie aber auch eher kommen, als sie versprechen, so

werde ich doch nicht naß, denn ich will in ein solches Haus, wie sie hier aus Garben gemachthaben, hinein gehen, will dort nieder sitzen, und zusehen, wie die silbernen Regenkugeln in dieHalme niederschießen, davon von jedem nur ein abgemähtes Stückchen empor steht. Bei mirdrinnen aber wird es warm und trocken sein."

Abvias schaute gegen den Abendhimmel, und in der That schien die Bermuthung des

Kindes wahr zu werden, daß die Wolken eher kommen würden, als sie versprachen; denn die

gleiche und schwachfärbige Wand, die noch vor Kurzem an dem Abendhimmel stand, hatte sichgelöset, und in Ballen gesondert, die mit weißen Rändern überhingen, und alle Augenblicke dieFarbe änderten. Gegen unten, am Gesichtskreise hin, war röthliches Grau.

Abdias erkannte, daß sie vor dem Regen kaum mehr das Haus erreichen würden, unddaß vielleicht der Rath Ditha's der beste wäre. Da er aber der Leichtigkeit des Garbenhausesnicht traute, wenn etwa ein Wind käme, so fing er an, mit eignen Händen noch mehr Garben herbeizu tragen. Als Ditha seine Absicht begriff, hals sie ihm, bis ein solcher Vorrath beisammenwar, daß er die Wetterseite mit einer dichten Garbenmauer besetzen, und dem Ganzen eine solcheFestigkeit geben konnte, daß es nicht leicht vom Winde zu zerreißen war. Gegen Morgen ließer die Oeffnung frei, daß sie auf das Spiel des Regens hinaussehen, und eine Uebersicht aufden Abzug des Gewitters haben könnten. Das Obdach wurde endlich fertig, aber es rührte sichnoch immer kein Lüftchen, und es fiel kein Tropfen. Die gelben Stoppeln lagen vor ihnen,die zarten von dem Schirme der weggenommenen Halme entblößten Gläschen regten sich nicht,und über dem blauen Felde des Flachses hoch in der Luft sang eine Lerche, von dem fernen tiefenDonner zuweilen unterbrochen.

Ditha hatte ihre Gewitterfreudizkeit, sie wendete sich gegen Abend, und sagte:Wie esso herrlich ist, wie es so unsäglich herrlich ist. Weil Du nun auch da bist, o Vater, so ist esmir noch lieber."

Sie standen vor ihrer aus Garben aufgebauten Behausung, schauten die Wolken an, undwaren in jedem Augenblicke bereit, wenn der Regen beginne, sich in die Hütte hinein zu setzen.In den oberen Theilen des Himmels mußte schon der Wind herrschen; denn die grauen Schleier,

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Stifter, Abdias.

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