Kein Tropfen Regen fiel, nur die dünnen Wolken rieselten, wie schnell gezogene Schleier,über den Himmel.
Der Greis gab nicht einen Laut von sich, sondern er starrte das Wesen vor sich an,und glaubte es nicht, daß dies Ding seine Tochter sei. Ihre Augen waren geschlossen und derredende Mund stand stille.
Er selber hatte nicht die geringste Erschütterung empfunden. Draußen war es, als sei auchnoch kein Gewitter an die Stelle gekommen. Die folgenden Donner waren wieder ferne, esging kein Lüftchen, und zeitweise sang noch die Lerche.
Dann stand der Mann auf,lud das tobte Mädchen mechanischauf seine Schulter und trug sienach Hause.
Zwei Hirten, die ihm be-gegneten, entsetzten sich, wie sie ihnso im Winde, der mittlerweile auf-gestanden war, schreiten sahen, undwie das Haupt und der Arm desKindes rückwärts seiner Schulterherab hing.
Das neue Wunver undStrafgericht, wie sie es nannten,flog sogleich durch das Land. Amdritten Tage nach dem Unglückekamen Brüder seines Volkes undlegten die Lilie in die Erde.
Das Gewitter, welches demKinde mit seiner weichen Flammedas Leben von dem Haupte geküßthatte, schüttete an dem Tage nochauf alle Wesen reichlichen Segenherab, und hatte, wie jenes, dasihr das Augenlicht gegeben, miteinem schönen Regenbogen im weiten Morgen geschlossen.
Abdias saß nach diesem Ereignisse auf dem Bänkchen vor seinem Hause, und sagte nichts,sondern er schaute die Sonne an. Er saß viele Jahre, die Knechte besorgten auf Anordnung desHandelöfreundcs, von dem wir öfter geredet hatten, die Felder — ans Ditha's Gliedern sproßtenBlumen und Gras — eine Sonne nach der andern verging, ein Sommer nach dem andern —