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Abdias
Entstehung
Seite
66
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sieht, wenn der junge Vogel noch an der Stelle sitzt, an welcher er ans der Puppe gekommenwar, die die Fittige so lange eingefaltet gehalten hatte, so dehnte das junge Innere Ditha's dieneuen eben erst erhaltenen Schwingen denn die Sekunden flogen mit Kleinodien herbei, aufden Augenblicken lagen Welttheile, und jeder Tag endete mit einer Last, die er ihr auflud.So wunderbar ist das Licht, daß auch ihr Körper in sehr kurzer Zeit ein anderer ward; dieWangen wurden roth, die Lippen blüheten, und nach wenigen Wochen war sie in ihren Glie-dern voller und stärker. Abdias hatte lauter weiße Haare, sein Gesicht war schwarz, vongekreuzten Narben durchzogen, und in den Zügen war Verfall eingegraben. So ging er nebender Tochter, die jetzt schon schlank und sicher wandelte; denn sie waren schier immer im Freien,das Ditha so liebte, und er nicht minder.

Aber nicht nur schöner ward das Antlitz des Mädchens, sondern es begann auch zuleben, und sichtlich immer mehr das Schönste zu zeigen, was der Mensch vermag, das Herz.

Wie Abdias vor mehreren Jahren angefangen hatte, plötzlich geizig zu werden, so wußteman jetzt nicht mehr, ist er es noch, oder nicht. Er ging immer neben dem Mädchen. Alle,

die den Juden haßten, sahen mit sichtbarlichen Wohlgefallen indas unschuldige Angesicht seiner Tochter.

Auch die Augen, die einst so starren unheimlichen Bilder,wurden nun menschlich lieb und traulich; denn sie fingen zureden an, wie Menschenaugen reden und Fröhlichkeit oder- Neugierde oder Staunen malte sich darinnen auch Liebe maltesich, wenn sie plaudernd und schmeichelnd aus Abdias Zügeschaute, die nur ihr allein nicht häßlich erschienen; denn was dieAußenwelt für ihre Augen war, das war er für ihr Herz jaer war ihr noch mehr, als die Außenwelt; denn sie glaubteimmer, er sei es, der ihr diese ganze äußere Welt gegeben habe.

o verging der Sommer, so der für das Mädchen sehr traurigeWinter, und wieder ein Sommer und ein Winter. Ditha gediehimmer mehr, und blühte immer schöner.

In zwei Dingen war sie eigcnthümlich und von dengewöhnlichen Menschen abweichend.

Das erste betraf ein Naturwunder, das wohl zuweilen,aber selten vorkömmt. Abdias hatte es in jüngeren Jahren auch gehabt, aber mit dem Alterhatte es sich allmälig verloren. Man bemerkte nämlich an Ditha seit dein Tage, an welchemder Blitz in ihr Zimmer geschlagen, und ihre Nerven umgestimmt hatte, daß sie an Gewitter-tagen, oder auch nur an solchen, wo Gewitter drohten und an dem entfernten Gesichtskreisehinauszogen, ganz besonders lebhaft, sogar heiter und freudig gestimmt sei, unähnlich den andern

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