Daier«.
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glückliche Volk Habe und Leben aufopfern und sich in jeder Beziehung selbst zerfleischenmußte, blos deshalb, weil diesem oder.jenem seiner Prinzen gelüstete, ebenfalls herrschenoder über einen Landstrich mehr gebieten zu wollen. Die Macht der Verhältnisse führtezu Anfänge des sechszehnten Jahrhunderts endlich dahin, daß man das Verwerfliche diesesSystems Ansehen lernte. Durch Vereinbarung zwischen Herzog Albert IV. und den Land-ständen kam daher im Jahre 1506 ein Gesetz, eine pragmatische Sanktion, zu Stande,wodurch die Regierungsfolge nach dem Erstgeburtsrecht festgesetzt, den nachgebor-nen Prinzen aber nach erlangter Volljährigkeit eine Apanage von 4000 Gulden jähr-lich bestimmt ward. (Die kaiserliche Bestätigung dieses Gesetzes erfolgte erst imJahre 1578.)
Von jetzt an war sowohl durch die innere Vereinigung des Staats als nicht minderdurch die immer günstiger sich gestaltende äußere Entwicklung der Dinge die schönste Ge-legenheit dargeboten, Baiern, zumal in geistiger Hinsicht, zum ersten Staate Deutsch-lands zu erheben. Das nun auf die Dauer vereinigte Land und Volk —- welche Fülle ma-terieller Mittel bot es dar! Hätten seine Herzoge diese vernunftgemäß benutzt, hätten siesich an die Spitze der in jenen Zeiten begonnenen geistigen Bewegung gestellt, wie viel Gu-tes hätten sie für ganz Deutschland, für die sich emancipirende Menschheit stiften, welchemannigfachen und gewaltigen Vortheile hätten sie — sogar vom Standpunkt des Eigen-nutzes aus betrachtet! — für ihr Land und sich selbst erlangen können! Was auf solchemWege zu erreichen gewesen, zeigte später, unter bereits weit mehr entwickelten, darumschwieriger zu lösenden Verhältnissen und mit vergleichsweise weit geringerer Macht,Preußen unter seinem großen Kurfürsten und unter Friedrich II.! Aber leider, aufsolche geistige Höhe vermochten sich die baierischen Herzoge nicht zu erheben; sie verkanntenund verfehlten völlig ihre und ihres Landes schönste Aufgabe und wichtigsten Berufzum Nachtheile für sich selbst, für den Staat, für ganz Deutschland, ja für die gesummteMenschheit! — Wir müssen um so mehr hierbei etwas verweilen, als eine Kenntniß derdamaligen Gestaltung zur völligen Beuctheilung mancher spätem Erscheinungen noth-wendig ist.
Nach dem im Jahre 1508 erfolgten Tode des Herzogs Albert I V. gelangten dessenSöhne Wilhelm IV. und Ludwig zur Regierung, die, nach vielen Streitigkeiten, ge-meinsam regierten. Erst nach Ludwig's Tode, 1545, wurde Wilhelm alleiniger Regent.Jene gemeinschaftliche Regierung war dies aber blos dem Namen nach, denn in Wirk-lichkeit herrschte Wilhelm allein; was geschah, ging der That nach von ihm aus.
Die große Bewegung der Reformation begann. Welche vielfachen Gelegenheitenzur geistigen wie materiellen Erhebung Baierns boten sich jetzt von selbst dar! Auch Wil-helm hatte sich über manche der enormen Misbräuche in kirchlichen Dingen bereits bitterbeschwert und deren Abstellung vom Papste und auf andern Wegen zu erlangen gesucht.Daß er sich aber an die Spitze der begonnenen Bewegung gestellt oder an derselben nurTheil genommen hätte, ließ seine beschränkte Anschauungsweise in kirchlichen wie in politi-schen Dingen nicht zu. Pfäfsisch erzogen, hielt er sich selbst für einen Gelehrten, zumalin geistlichen Dingen, die nach seinen Begriffen den Hauptbestandtheil aller Gelehrsamkeitbildeten. Darin wollte Er nun einige Verbesserungen vorschreiben. Was aber weiter ging,erbitterte nicht nur seine Eitelkeit als vermeintlichen Gelehrten, sondern erweckte noch mehrseinen Fanatismus, den ganz besonders die von ihm zum ersten Mal in ein deutschesLand gerufenen und in den Besitz der höchsten Lehranstalten gesetzten Jesuiten lebhaftrege zu halten verstanden. Dazu kam, daß eine Theilnahme an der begonnenen Bewegungallerdings mit einigen Schwierigkeiten und dem möglichen Verluste einiger kleinen Vor-theile verknüpft war, die freilich ein geistig höher stehender Mann nicht allzu groß ange-schlagen haben würde, die aber bei der kleinlichen und engherzigen Beurtheilungsweise Wil-helm's in Allem den Ausschlag gaben. Die großen und reichen selbstständigen Bisthümerund Erzbisthümer, welche Baiern umgaben, schienen ihm, besonders wenn er sich rechtverdient mache um die alte Kirche, eine schöne und sichere Gelegenheit darzubieten, den nach-geborenen Prinzen ein glanzendes Unterkommen zu sichern. Diese Besitzthümer geradezuaufzuheben und mit seinem Staate zu vereinigen, wäre freilich noch vortheilhaster gewesen,Ctaats-Leriksn. II. 5