7
Iknto de Ac.
zuletzt, kehrte er sich gegen die Prinzessin Regentin mit den Worten: „Prinzessin, ich bitte,hoben Sie Mitleid mit dieser Unglücklichen, welche dreizehn Kinder als Waisen zurück-läßt!" Der Spanier Vlanco ^bemerkt: „Die Bitte muß fruchtlos gewesen sein, dennwas ließ sich von Herzen erwarten, die solche Dinge sehen und hören konnten, ohne zubrechen ?" Aber der Jnfant Don Carlos schwur an diesem Tage der Inquisition un-versöhnlichen Haß 2 ). 21) Johann de Ulloa Pereira, Commandeur des Johan-niterordens und Obergeneral in Deutschland unter Karl V. Doch sollte dieser nur biszur Rückkehr ins Gefängniß den San Benito tragen. 22—26) Die Gattin des Advo-caken Herrezuelo und noch drei andere Frauen und ein Mann.
Die anderen Verurtheilungen waren milder. 27) Ludwig de Roxas, Enkel undMajoratserbe des Marquis von Poza, wurde für unfähig erklärt, im Marquisate zusuccediren, welches auf seinen jünger» Bruder überging; man verbot ihm, Spanien zuverlassen, verbannte ihn aber aus Madrid, Valladolid und Valencia. 28) Anna, Gattineines Barons von St. Euphemie, Enkelin des Marquis von Poza, 24 Jahr alt,wurde zur Einsperrung in ein Kloster verurtheilt. 29) Anton W a so r, ein Engländer,Bedienter eines der Verurtheilten, zur einjährigen Einsperrung in ein Kloster, um dortUnterricht im katholischen Glauben zu erhalten; diese Drei sollten den San Benito nur biszur Rückkehr ins Gefängniß tragen. 30) Anton Minguez, Bruder einer zu lebens-länglichem Gefängniß verurtheilten Dienstfrau der Donna Beatrix, zu dreijährigem Ge-fängniß mit San Benito. 31)Mariade Roxas, Tochter.des Marquis von Poza,eine Nonne, den San Benito bis auf die Schandbühne zu tragen, dann zur Einsperrungauf Lebenszeit in ihr eignes Kloster, wo sie im Chor und Speisesaal als die Letzte behandelt,auch im Capitel des Klosters nicht mehr stimmberechtigt sein sollte.
Nachdem die Vorlesung der Urtheile beendigt war, wurden die Wiederaufgenommenenin die Haft zurückgebracht; die zum Tode Verurtheilten dem weltlichen Arm übergeben,Jeder rückwärts auf einem Esel sitzend, unter Begleitung vieler Bewaffneten, vor das Thorgeführt, wo auf dem Richtplatz in gleicher Entfernung von einander vierzehn Scheiter-haufen errichtet waren, in der Mitte eines jeden ein Pfahl. An diesen wurde das Schlacht-opfer gebunden. Aus Gnade wurden sie zuerst erdrosselt; nur Herrezuelo, der alleinnicht widerrufen hatte, ward lebendig verbrannt und starb mit Zeichen der entschiedenstenVerachtung gegen seine Mörder. Ihm war, wie gewöhnlich, bis zum Anbinden an denPfahl ein stacheliges eisernes Gebiß in den Mund gelegt, damit er nichtseinen Glaubenpredigte.
Dies war ein Auto de Fe, wie es die Spanier nennen, d. i. Glaubensgericht(Glaubensact), eine Frucht menschlicher Beschränktheit und Leidenschaft, welche die Re-ligion der ewigen Wahrheit und Liebe zum Gesetze solcher Greuel verkehren. Denn fürChristen hielten sich die, deren Befehle so vollzogen werden, sogar für. die von Gott selbsteingesetzten einzigen würdigen Nachfolger der Apostel des Herrn und Meisters. So ver-stehen ihresgleichen sein Wort: — aufdie Frage: „willst Du, so wollen wir sagen, daßFeuer vom Himmel falle und sie verzehre?" (die ketzerischen Samariter) —- „Wißt ihrnicht, welches Geistes Kinder ihr seid? Des Menschen Sohn ist nichtgekommen zu verderben, sondern zu erretten." Luc. 9, 54. Vergl. Luc.10, 25 ff. In dem unglücklichen Spanien allein sind während der Jahre 1481 bis1808 auf solche Weise hingerichtet worden 34,658 Menschen; zu lebenslänglichemGefängniß oder den Galeeren verurtheilt 288,214; Bilder verbrannt 18,049; undwenn man die früheren Jahrhunderte berücksichtigt, im Ganzen ungefähr 500,000 Fami-lien durch Hinrichtungen ganz ausgerottet, alle Juden und Mauren, getaufte (Morisko's)wie muhammedanische, .vertrieben und dadurch nach der Berechnung von Llorentedie Bevölkerung auf die Hälfte dessen gebracht, was sie sein könnte. Nun denke man andie übrigen katholischen Länder, besonders an Portugal, Italien, Sicilien, Sardinien,
2) Rechtfertigung seiner Beleuchtung des kathol. Glaubens. Dresd. undLpz. 1827. S.8l,f.
3) Llorente a. a. O. XX, 1. a. E.