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1 (1922) Buddenbrooks : Verfall einer Familie
Entstehung
Seite
317
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Das schwarze Kleid gab ihrer Gestalt eine mädchenhafteSchlankheit, und obgleich sie den Tod des Konsuls, dem siewährend der letzten Zeit so herzlich nahe gestanden, vielleichtvon allen am schmerzlichsten empfand, obgleich sie nochheute bei dem Gedanken an ihn zweimal in bittere Tränenausgebrochen war, vermochte die Aussicht auf diesen kleinenFamilienrat, diese kleine ernsthafte Unterredung, an der siemit Würde teilzunehmen gedachte, ihre hübschen Wangenzu röten, ihren Blick zu beleben, ihren Bewegungen Freudeund Wichtigkeit zu geben . .. Die Konsulin dagegen, er-mattet vom Schrecken, vom Schmerz, von tausend Trauer-formalitäken und den Begräbnisfeierlichkeiten, sah leidendaus. Ihr Gesicht, von den schwarzen Spitzen der Hauben-bänder umrahmt, erschien noch bleicher dadurch, und ihrehellblauen Augen blickten matt. In ihrem glattgescheitelken,rotblonden Haar aber war noch immer kein einziges weißesFädchen zu sehen ... War auch dies noch die Pariser Tinkturoder schon die Perücke? Das wußte Mamsell Jungmannallein, und sie würde es nicht einmal den Damen des Hausesverraten haben.

Man saß am Ende des Speisetisches und wartete, daßThomas und Herr Marcus aus dem Kontor kämen. Weißund stolz hoben sich die gemalten Götterbilder aus ihrenSockeln von dem himmelblauen Hintergründe ab.

Die Konsulin sagte: „Die Sache ist diese, mein lieberJustuS ... ich habe dich bitten lassen . . . kurz zu sein, eshandelt sich um Klara, das Kind. Mein lieber seliger Jeanhat die Wahl eines Vormundes, dessen die Dirn nochwährend dreier Jahre bedarf, mir überlassen . . . Ichweiß, du liebst es nicht, mit Verpflichtungen überhäuft zu