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1 (1922) Buddenbrooks : Verfall einer Familie
Entstehung
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Zweiter Teil

Erstes Kapitel

Zwei und ein halbes Jahr später, um die Mitte desApril schon, war zeitiger als jemals der Frühling gekommen,und zu gleicher Zeit war ein Ereignis eingetreten, das denalten Johann Buddenbrook vor Vergnügen trällern machteund seinen Sohn aufs freudigste bewegte.

Um g Uhr, eines Sonntag morgens, saß der Konsulim Frühstückszimmer vor dem großen, braunen Sekretär,der am Fenster stand und dessen gewölbter Deckel ver-mittelst eines witzigen Mechanismus zurückgeschoben war.Eine dicke Ledermappe, gefüllt mit Papieren, lag vor ihm;aber er hatte ein Heft mit gepreßtem Umschläge und Gold-schnitt herauSgenommen und schrieb, eifrig darüber gebeugt,in seiner dünnen, winzig dahineilenden Schrift, — emsigund ohne Aufenthalt, es fei denn, daß er die Gänsefederin dag schwere Metalltintenfaß tauchte . . .

Die beiden Fenster standen offen, und vom Garten her,wo eine milde Sonne die ersten Knospen beschien, und woein paar kleine Vogelstimmen einander kecke Antwortengaben, wehte voll frischer und zarter Würze die FrühlingS-luft herein und trieb dann und wann sacht und geräuschlosdie Gardinen ein wenig empor. Drüben, auf dem Frühstücks-tische, ruhte die Sonne blendend auf dem weißen, hie undda von Brosamen gesprenkelten Leinen und spielte in kleinen,