Dritter Teil
Erstes Kapitel
Kurz nach fünf Uhr, eines Juni-Nachmittages, saß manvor dem „Portale" im Garten, woselbst man Kaffee ge-trunken hatte. Drinnen in dem weißgetünchten Raum desGartenhauses mit dem hohen Wandspiegel, dessen Flächemit flatternden Vögeln bemalt war, und den beiden lackiertenFlügeltüren im Hintergründe, die genau betrachtet gar keineTüren waren und nur gemalte Klinken besaßen, war dieLuft zu warm und dumpfig, und man hatte die aus knor-rigem, gebeiztem Holze leicht gearbeiteten Möbel hinaus-gestellt.
Im Halbkreise saßen der Konsul, seine Gattin, Tony,Tom und Klothilde um den runden gedeckten Tisch, aufdem das benutzte Service schimmerte, während Christian,ein wenig seitwärts, mit einem unglücklichen GesichtSausdruckCiceros zweite Catilinarische Rede präparierte. Der Konsulwar mit seiner Zigarre und den „Anzeigen" beschäftigt.Die Konsulin hatte ihre Seidenstickerei sinken lassen und sahlächelnd der kleinen Klara zu, die mit Jda Jungmann aufdem Rasenplatze Veilchen suchte, denn es gab zuweilenVeilchen dort. Tony hakte den Kops in beide Hände ge-stützt und las versunken in Hoffmanns „Serapionsbrüdern",während Tom sie mit einem Grashalm ganz vorsichtig imNacken kitzelte, was sie aus Klugheit aber durchaus nicht