werden; du hast Pflichten gegen deine Frau, gegen deineSöhne . .
„Gegen meinen Sohn, Bethsy."
„Gut, gut, wir sollen christlich und barmherzig sein,Justus. Wie wir vergeben unseren Schuldigem, heißt es.Gedenke unseres gnädigen Vaters im Himmel."
Ihr Bruder sah sie ein wenig verwundert an. Manhatte bisher nur aus des verstorbenen Konsuls Munde solcheRedewendungen vernommen . . .
„Genug!" fuhr sie fort, „es sind so gut wie keine Müh-seligkeiten mit diesem LiebeSamte verbunden . . . Ich möchtedich bitten, die Vormundschaft zu übernehmen."
„Gern, Bethsy, wahrhaftig, das tu' ich gern. Darfich mein Mündel nicht sehen? Ein bißchen zu ernst dasgute Kind . . ."
Klara ward gerufen. Schwarz und bleich erschien sielangsam, mit traurig zurückhaltenden Bewegungen. Siehatte die Zeit nach ihres Vaters Tode fast unaufhörlich mitBeten auf ihrem Zimmer verbracht. Ihre dunklen Augenwaren unbeweglich; sie schien erstarrt in Schmerz und Gottes-furcht.
Onkel JustuS, galant wie er war, schritt ihr entgegenund verbeugte sich beinahe, als er ihr die Hand drückte;dann richtete er einige wohlgesetzte Worte an sie, und sieging wieder, nachdem sie von der Konsulin einen Kuß aufihre unbeweglichen Lippen entgegengenommen hatte.
„Wie geht es dem guten Jürgen?" begann die Konsulinaufs neue. „Wie fühlt er sich in Wismar?"
„Gut", antwortete Justus Kröger, indem er sich miteinem Achselzucken wieder niedersetzke . . . „Ich glaube, er