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1 (1922) Buddenbrooks : Verfall einer Familie
Entstehung
Seite
211
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zart wie eine Gazelle und besaß einen beinahe malaiischenGesichtStypuS: ein wenig hervorstehende Wangenknochen,schmale, schwarze Augen voll eines weichen Schimmers undeinen mattgelblichen Teint, wie er weit und breit nicht ähnlichzu finden war. Ihre Hände, von derselben Farbe, warenschmal und für ein Ladenmädchen von außerordentlicherSchönheit.

Sie ging hinter dem Verkausstisch an das rechte Ende deskleinen Ladens, wo man durchs Schaufenster nicht gesehenwerden konnte. Thomas folgte ihr diesseits des Tisches,beugte sich hinüber und küßte fie auf die Lippen und dieAugen.

„Du bist ganz verfroren, du Ärmster!" sagte sie.

„Fünf Grad!" sagte Tom . . . „Ich habe nichts ge-merkt, ich ging ziemlich traurig hierher."

Er setzte sich auf den Ladentisch, behielt ihre Hand inder seinen und fuhr fort: „Ja, hörst du, Anna? . . . heutemüssen wir nun vernünftig sein. Es ist so weit."

„Ach Gott . . .!" sagte fie kläglich und erhob vollFurcht und Kummer ihre Schürze . . .

„Einmal mußte es doch herankommen, Anna . . . So!nicht weinen! Wir wollten doch vernünftig sein, wie? —Was ist da zu tun? Dergleichen muß durchgemachkwerden."

„Wann . . .?" fragte Anna schluchzend.

„Übermorgen."

„Ach Gott . . . warum übermorgen? Eine Wochenoch . . . Bitte! . . . Fünf Tage! ... ^

„Das geht nicht, liebe kleine Anna. Alles ist bestimmtund in Ordnung . . . Sie erwarten mich in Amsterdam . . .