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1 (1922) Buddenbrooks : Verfall einer Familie
Entstehung
Seite
116
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bemerkte. Und Klothilde, die mager und ältlich in ihremgeblümten Kattunkleide dasaß, las eine Erzählung, welcheden Titel trug: „Blind, taub, stumm und dennoch glück-selig"; zwischendurch schabte sie die Biskuitreste auf demTischtuche zusammen, worauf sie das Häufchen mit allenfünf Fingern ergriff und behutsam verzehrte.

Der Himmel, an dem unbeweglich ein paar weiße Wolkenstanden, begann langsam blasser zu werden. Das Stadt-gärtchen lag mit symmetrisch angelegten Wegen und Beetenbunt und reinlich in der Nachmittaggsonne. Der Dust derReseden, die die Beete umsäumten, kam dann und wanndurch die Lust daher.

„Na, Tom", sagte der Konsul gutgelaunt und nahmdie Zigarre aus dem Mund; „die Roggenangelegenheit mitvan Henkdom är Comp., von der ich dir erzählte, arran-giert sich."

„Was gibt er?" fragte Thomas interessiert und hörteauf, Tony zu plagen.

„Sechzig Taler für tausend Kilo . . . nicht übel, wie?"

„Das ist vorzüglich!" Tom wußte, daß dies ein sehrgutes Geschäft war.

„Tony, deine Haltung ist nicht oomras il taat", be-merkte die Konsulin, woraus Tony, ohne die Augen vonihrem Buche zu erheben, einen Ellbogen voin Tische nahm.

„Das schadet nichts", sagte Tom. „Sie kann sitzen,wie sie will, sie bleibt immer Tony Buddenbrook. Thildaund sie sind unstreitig die Schönsten in der Familie."

Klothilde war zum Sterben erstaunt. „Gott! Tom —?"machte sie, und es war unbegreiflich, wie lang sie diesekurzen Silben zu ziehen vermochte. Tony duldete schweigend.