derselben Weise wie ihr Gatte. Sie war eine korpulenteDame mit dicken, weißen Locken über den Ohren, einemschwarz und hellgrau gestreiften Kleide ohne Schmuck, dasEinfachheit und Bescheidenheit verriet, und mit noch immerschönen und weißen Händen, in denen sie einen kleinen,sammetnen Pompadour auf dem Schoße hielt. Ihre Ge-sichtszüge waren im Laufe der Jahre auf wunderliche Weisedenjenigen ihres Gatten ähnlich geworden. Nur der Schnittund die lebhafte Dunkelheit ihrer Augen redeten ein wenigvon ihrer halb romanischen Herkunft; sie stammte groß-väterlicherseits aus einer französisch-schweizerischen Familieund war eine geborene Hamburgerin.
Ihre Schwiegertochter, die Konsulin Elisabeth Budden-brook, eine geborene Kröger, lachte das Krögersche Lachen,das mit einem pruschenden Lippenlaut begann, und bei demsie das Kinn auf die Brust drückte. Sie war, wie alleKrögers, eine äußerst elegante Erscheinung, und war sieauch keine Schönheit zu nennen, so gab sie doch mit ihrerHellen und besonnenen Stimme, ihren ruhigen, sicheren undsanften Bewegungen aller Welt ein Gefühl von Klarheitund Vertrauen. Ihrem rötlichen Haar, das auf der Höhedes Kopfes zu einer kleinen Krone gewunden und in breitenkünstlichen Locken über die Ohren frisiert war, entsprachein außerordentlich zartweißer Teint mit vereinzelten kleinenSommersprossen. Das Charakteristische an ihrem Gesichtmit der etwas zu langen Nase und dem kleinen Mundewar, daß zwischen Unterlippe und Kinn sich durchaus keineVertiefung befand. Ihr kurzes Mieder mit hochgepusfkenÄrmeln, an das sich ein enger Rock aus duftiger, hell-geblümter Seide schloß, ließ einen Hals von vollendeter