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1 (1845) [Aac - Aus]
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795
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Auswanderung. 795

nusgedrückte Zustimmungserklärung oder doch eine Anerkennung der Erträglichkeit desZustandes. Und es mag durch solche stillschweigende Zustimmung der großen Mehrheit,wenigstens in Ansehung der im Lande Zurückbleibenden, das materielle Unrecht der vonder Staatsgewalt ausgegangenen Verfügungen als formell geheilt erscheinen. Wo da-gegen dem durch solche Gewalt Unterdrückten, Verletzten, Mishandelten auch die letzteZuflucht,dieLostrennung von dem ihmauseinerWohlthatzur Pein gewordenen Staats-verband, entzogen ist: da schreit alles Unrecht zehnmal lauter und findet keine Harte eineBeschönigung oder Heilung mehr. Auch das Gefühl der erduldeten Unbill oder Härteist schmerzlicher und tiefer, wenn man sich zur Ertragung unbedingt verurtheiltweiß.

Aus der letzten Betrachtung geht hervor, daß ein die Auswanderung verbietendesGesetz, wenn es selbst gegen den Vorwurf der Ungerechtigkeit zu vertheidigen wäre,jedenfalls dem der Unklugheit anheim siele. Wünscht man eine zahlreiche Bevölkerung,schätzt man den Werth vaterlandliebender Bürger, so regiere man gut, d. h. gerechtund mild: alsdann wird Niemand (den nicht ganz besondere persönliche Interessenoder Neigungen zur Auswanderung bestimmen, was jedoch niemals häufig cintreten wird)auswandern wollen, und es werden dagegen Fremde herbeiströmen und die Aufnahmeals Staatsbürger bei uns suchen. Verschließt man aber den einmal im Lande Wohnen-den die Thore des Staats, d. h. verwandelt man dergestalt denselben in einen großenKerker, so wird kein Fremder Lust tragen, sich alldort anzusiedeln. Und was die E in -heimischen betrifft, so werden die Misvergnügten noch misvergnügter werden, undwenn einmal eine günstige Gelegenheit winkt, geneigt sein, zum Umsturz derjenigen Ge-walt sich zu erheben, die sie unterdrückt und in Fesseln gehalten hat. Der unglücklicheKönig KarlI. in England hat cs sehr zu bereuen gehabt, daß die bereits unternommeneAuswanderung Cromwell's, seines künftigen Mörders, in Gemäßheit der Auswan-derungsverbote gehindert ward. Selbst böswillige Gewalthaber sollten sich freuen,wenn ihre Feinde, d. h. die mit ihrer Verwaltung Unzufriedenen, das Land verlassen;ihre Stellung wird dadurch um so sicherer- Wohldenkende Häupter aber werden durchdie Wahrnehmung einer eingetretenen ungewöhnlich zahlreichen Auswanderung zurernsten Erwägung der Ursachen, die sie hervorbrachten, aufgefordert und zur Verbes-serung eines aus Jrrkhum oder auf bösen Rath vermeinter Freunde befolgten Regie-rungssystems bewogen werden, in der Seltenheit der Auswanderung dagegen einMerkmal der Zufriedenheit ihres Volkes, demnach einen Stoff der edlen Freude finden.

Eine der bedeutungsvollsten Erscheinungen der neuesten Zeit ist die über alles Maßgestiegene Auswanderungslust der Bewohner so vieler, zumal deutscher Länder, welchezu den von der Natur gesegnetsten der Erde gehören und, nach dem Stande ihrer Civi-lisation und nach den von den frühem Geschlechtern ererbten vielfältigen Vortheilen,zur Beglückung der von ihnen beherbergten Bevölkerung ganz vorzüglich geeignet sind.Einzelne zwar werden auch bei aller Gunst der allgemeinen Verhältnisse und Umstände sichimmer finden, welche aus rein persönlichen Gründen oder Hoffnungen, aus Thatlust, ausHang nach Veränderung, nach Erweiterung des geistigen Gesichts- oder deS Wirkungs-kreises u. s. w. zur Verlassung des heimathlichen Bodens sich entschließen; aber im All-gemeinen hält die natürliche Liebe zum Vaterland desselben Kinder alldort fest, und wonicht Uebervölkerung oder Naturübel oder Kriegsnoth und dergleichen obwalten, da könnennur schwere Gebrechen der Verfassung oder der Gesetze oder der Regierungsweise, nurVerkümmerung des Rechtszustandes oder der Erwerbsmittel, oder finanzieller Druck dieErklärungsgründe der Auswanderung ganzer Schaaren sein.

In der alten Welt kannte man die Auswanderungsverbote wenig oder gar nicht.Wohl wurden die Sklaven mit Zwang alldort zurückgehalten, allwo sie dem Herrn zudienen hatten; aber dem Bürger stand das Verlassen der Heimath frei; ja es be-günstigten sogar die Regierungen, zumal der republikanischen Staaten, die Aus-wanderung theils der etwa misvergnügten Bürger, theils der wegen Uebervölkerung Nah-rungslosen oder auch der nach Abenteuern Verlangenden; und die größte Zahl der Co-lo nieen entstand eben in Folge dieses Systems. Freilich waren die Auswanderungen