Vorrede
zur neuen Auflage.
<Ueber das heutige Fürsteuthum und Bürgerthum, über ihre und desStaatSlexikonS Aufgabe.)
Vergnügen ergreife ich die Feder, um die Leser des Staatslexikons bei demErscheinen dieser neuen Auflage zu begrüßen und das Nöthige zur frühern Vorredehinzuzufügen.
Das Staatslexikon erschien in einer für freimüthige politische Werke höchstungünstigen Zeit. Es wurde begonnen bald nach dem Frankfurter Attentat, inder Blüthezeit jener großen politischen Reaction, welche selbst zuerst jenes tollkühneUnternehmen hervorgerufen hatte und nun wieder durch sie vermehrt wurde. Diedeutschen Bürger waren damals, bei ihrem Mangel an politischer Bildung undKraft, eingeschüchtert; die Freiheitsfeinde dagegen beuteten diese Stimmung undden Schein der Rechtfertigung des Unterdrückungssystems gegen die liberalen Be-strebungen in jeder Weise aus. Freunde und Feinde des Staatslexikons prophe-zeihten demselben einen baldigen Untergang durch Censur und Verbot. So strengverfolgten damals viele Regierungen liberale Bestrebungen, deren manvon den Unternehmern des Staatslexikons gewiß war, daß selbst schon dessen An-kündigung in einem großen deutschen Staate von der Censur gestrichen wurde, undsomit sein Verbot vor seinem Erscheinen ausgesprochen war. Andererseits aber schiendie von den Herausgebern schon in der Vorrede auch für das Staatslexikon alsGrundsatz anerkannte gesetzliche Bestrebung für die constitutionelleMonarchie dem Werke bei den an Politik theilnehmenden deutschen Bürgerneine wenig lebhafte Theilnahme zu versprechen. Die Nichteinführung der reprä-sentativen Verfassung in dem weitaus größten Theile der deutschen Nation, dieseit den Karlsbader Beschlüssen immer größere Unterdrückung und Verstümmlungihrer wesentlichsten Bestandtheile und Früchte auch in den sogenannten deutschenconstitutionellen Staaten, und der auf solche Weise auch in diesen Staaten unver-meidliche Mangel an vaterländischem Gemeingeist und politischer Bildung hatteden Glauben an die Heilsamkeit der constitutionellen Verfassung nicht zur Reife- kommen lassen oder wieder zerstört. Viele Liberalen glaubten in ihrem erzwun-genen Schweigen und in empörter Stimmung über unerfüllte Zusagen und unter-drückte Rechte fast nur an die Republik, an eine mögliche Rettung des Vaterlandesnur durch Revolution. Die übrigen Bürger, nur der Selbstsucht und Verblen-dung sich überlassend und arider ihnen wenig bekannten Freiheit verzweifelnd,haßten die Kämpfer für sie, ja sie selbst als unbequeme Ruhestörer und überließen