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Aargauische Kloster-Aufhebung.
Auch die Schweiz, wo bisher katholische und evangelische Christen in kirchlicherFriedfertigkeit beisammen gelebt hatten, blieb nicht ganz von Rom vergessen. Schon imJahre 1814 wurden von der Nuntiatur Vorbereitungen zum künftigen Kampf getroffen. Esgelang derselben vorerst, die Garantie aller schweizerischen Klöster durch einen besonderenArtikel des neuen Bundesvertrages geltend zu machen. Gleichzeitig siedelte sich in Wal-l i s eine kleine Jesuitencolonie ganz bescheiden inSion undBrieg an. Sobald sie hiersichern Fuß genommen, wußte sie ihn im Jahre 1818 auch im Kanton Freiburg noch brei-ter und fester zu setzen. Bald blühte zuFreiburg und Stäfis ihr Collegium und Pensio-nat, wetteifernd mit den hundert Anstalten ihres Ordens in Frankreich. Aus Deutschlandund Frankreich strömten Zöglinge in Menge herbei. Im Jahre 1836 erhielt die GesellschaftJesu dann Aufnahme im Kanton Schwyz; von da hoffte sie ferner in den Kanton L u -zern vvrzudringen, und die Vorarbeiten dazu wurden nicht verzögert.
Wahrend dessen blieb der römische Hof auch von anderer Seite nicht unthätig. Eswurden die zum uralten Bisthum Constanz gehörenden Theile der Schweiz von diesem,ohne Einwilligung der Diöcesanstände, losgerissen und in zwei bis drei kleine, unmittelbarvom Papst allein abhängige Bisthümer aufgelöst. Als die Regierungen mehrerer katho-lischen und paritätischen Kantone sich in einer Conferenz zuBaden im Aargau vereinigten,theils zur Sicherung der Rechte des Staates in kirchlichen Dingen, theils vom heiligen Va-ter einen Erzbischof für die Schweiz, ein Priesterseminarium u. s. w. zu verlangen, blitztevom Vatican der Bannstrabl gegen die Conferenzartikel. Die Nuntiatur leitete fortanengeren Verband und Verkehr wie der Bischöfe so der reicheren Abteien und Klöster derSchweiz ein. Solche trautere Verbindung gründete, mit Beistand einzelner Pfarrer undWeltgeistlichen, den sogenannten „katholisch e.n Verein "zum Schutz der Kirche gegenProtestanten, Ketzer, Abtrünnige und Freisinnige, unter unwissenden, abergläubigenLandleuten. Bald breitete sich der Verein in Dörfern der Kantone Luzern, Bern,Solothurn, Aargauaus. Auch an Flugblättern und Zeitungen fehlte es für denheiligen Zweck nicht. Der Abt desWallfabrtsortesEinsie delnließsich42,000 Schwei-zersranken nicht gereuen, im Hauptflecken Schwyz eine Zeitung anzulegen und in Umlaufzu bringen, worin Regierungen, Beamte, Privatpersonen, welche sich den Ansprüchen desheiligen Stuhls oder des Klerus widersetzten, ohne Schonung schlechter Handlungen verdäch-tigt oder der Irreligiosität beschuldigt wurden. Während in evangelischen Kantonen mit vollerDuldung und Freiheit katholischen Einwohnern zur Pflege ihres Gottesdienstes Kircheneingeräumt wurden, hielt man in katholischen Kantonen den Protestanten kein Gegenrecht,ja erschwerte oder wehrte ihnen sogar Niederlassung und bürgerliche Rechtsausübung.
Dieser bisher in der Schweiz fremd gewesene Geist, welcher endlich auch die in Republi-ken natötlich-einheimischen politischen Parteihändel ins kirchliche Gebiet herüberzog, erregteanfänglich nur Misbilligung, Verachtung, dann aber Gegenwehr und Erbitterung der An-gefochtenen unk Beleidigten. Die Parteiblätter bekriegten sich fortan mit losgelassenerWuth. Fehlten ihnen edlere Waffen, ergriffen sie schamlos von beiden Seiten den Kothder Lüge und Verleumdung. Vielen genügte dies nicht, sie besudelten einander mitSchmachworten des Gassenpöbels.
Die große Masse der schweizerischen Bevölkerung sah anfangs dem tollen Treiben derpolitischen und kirchlichen Parteihelden in Ruhe und ohne andere Theilnahme, als dieihrer müssigen Neugier, zu. Die gegenseitigen Beschimpfungen und Anklagen der Zei-tungsblätter wurden mehr belacht, als geglaubt. Die Preßfreiheit bot, wie überall, wo sieleben darf, gegen die Preßfrechheit das nachhaltigste Gegengift; und wo Leidenschaft dieSchranken des Gesetzes zu durchbrechen wagte, straften die Gerichte. Doch der fortge-setzte Hader weckte endlich auch im Volke ernstere Aufmerksamkeit. Die Aufmerksamkeitführte zum Argwohn; der Argwohn zur wirklichen Anschließung an eine der Parteimei-nungen. So ward der Same des Unfriedens endlich in allen Ständen des Volkes zumKeimen getrieben.
Nach diesen vorangegangenen Thatsachen, ohne deren Kenntniß die folgenden Ereig-nisse kaum verstanden werden könnten, wenden wir den Blick den besonderen Begebenheitendes Aa rg au's zu, welche die Aufhebung einiger Klöster zur Folge hatten.