XXXII
Vorrede
stenthum zu bereiten drohen, besteht darin, daß sie es in gänzlichen Widerspruchmit seinem eignen Grundbegriff bringen. Wie aber kann auf die Dauer Achtungund Kraft behalten, was sich selbst widerspricht? Der Fürst ist nach allgemeinemund acht deutschem Grundbegriff nicht ein Herr von Sklaven mit gemeinem Eigen-thumsrecht , oder ein Zuchtmeister oder Vormund mit Zuchtgewalt über Mundtodte.Nein, er ist ein Vorkämpfer freier Männer, der ihnen vorangeht und die höhereWürde und Ehre der ganzen freien Genossenschaft, ihres gemeinschaftlichen höherenStrebens und Kämpfens in sich concentrirt und dadurch Majestät erhält; er solleine moralische Macht sein. So tritt es hervor bei dem deutschen Gefolgsführer,wie in der im Fürsten und Kaiser sich darstellenden Nationalmajestät. So entstandauch die ausgedehntere Fürstenmacht in dem Vorangehen der Fürsten im höherenVolksbedürfniß, in der Befreiung und Wiedervereinigung des durch faustrechtliche,feudalaristokratische und hierarchische Gewalt bedrückten und zerrissenen Volkes.Auch die Koryphäen des absoluten Fürstenthums in Deutschland, Friederich II.,Joseph und Carl Friederich, standen noch in diesem höheren Streben und namentlichauch in Begünstigung der höheren Geistesbildung und Aufklärung voran. Jetztaber, nachdem längst die Morgenröthe eines neuen Tages, eine neue höhere Ent-wicklungsperiode, nachdem neue höhere Bedürfnisse und Bestrebungen der Nationbegonnen, will man die Fürsten mit kleinlichen, mit verhaßten, verachteten Mit-teln als feindlich gegen das Volk und diesen seinen Fortschritt, gegen dessen sittlicheNothwendigkeit und Heiligkeit, gegen die wahre Seele der Nationalmajestät, hin-stellen. Welche Rolle bürdet man den Fürsten solchergestalt auf? Nur durchVorangehen, nicht durch Stillsitzen und Rückwärtsgehen wird und bleibt manFürst bei den vorwärtsstrebenden germanischen Völkern. Der Fürst soll Vorkäm-pfer, nicht Nachzügler sein. Aber schlechte Rathgeber wollen wirklich den zum fröh-lichen Fortschreiten ermuthigenden und begeisternden, die höchste Bestrebung undEhre seiner Genossen in sich vereinigenden Vorkämpfer zum rühmlosen, nur vonden Muthlosen, von den Marodeuren und Kranken umgebenen, widerwillig folgendenNachzügler machen! Darf man so dieFürstenwürde behandeln? Darf man die Für-sten zu Gegnern der Bestimmung und der Bedürfnisse, der stärksten Gefühle und
Lebensinstincte, ja zu Gegnern der Existenz und Ehre der Nation- machen-
um sie vor Revolution zu schützen? Darf man ihnen rathen, durch Halbheiten undUnwahrheiten, die man Niemandem weniger verzeiht, als den Königen, ihre öffent-licheAchtung zu gefährden, so namentlich dadurch, daß sie ihren Bürgern, mit Entzie-hung der alten Rechte und ohne Gewährung der neuen, früher zugesagten repräsen-tativen Verfassungen, blose Scheinrechte verleihen und übrig lassen, welche wederdie alte Lebensbehaglichkeit, noch die neue politische Freiheit geben und Niemandenbefriedigen? Hier, Ihr Anstifter all der zahllosen Majestätsklagen, „dieser unse-rer neu-deutschen Hexenprocesse", hier, Ihr Leiter der polizeilichen Nachspürungenund Verfolgungen dieser unserer heutigen hierarchischen Jnquisitionsgcwalt, hier,wenn Euch wirkliche Ehre und Sicherheit der Fürstenwürde am Herzen liegt, hier,in solchen Co nservativen, welche durch Rath und Maßregel dieFürstenwürdeso dem Volk erscheinen lassen, habt Ihr die wahren Feinde und Zerstörer derselben.Hier verfolgt!
Wir Liberalen dagegen wollen in Wahrheit die moralische Achtung und Auto-