Druckschrift 
1 (1845) [Aac - Aus]
Entstehung
Seite
XXVI
Einzelbild herunterladen
 

XXVI

Vorrede

wachen. Wenn aber die Herzen und die Geister eines so kernhaften Volkes auslangem Winterschlaf für eine große Idee und neue Entwicklung erwachen, so ist ihrsiegreicher Fortschritt gewiß. Wie der frische Lebenskeim des Pflanzenkorns seineHüllen sprengt und die ihn niederdrückende Scholle mit sich emporhebt oder durch-bricht, so werden auch sie siegen über die feindlichen Kräfte. Sie werden und siemüssen jetzt um so allgemeinere Zustimmung finden, und auch uns Deutschen, ähn-lich den Briten, zur inneren Einigung verhelfen und uns von unserer babylonischenpolitischen Sprachverwirrung und von gefährlichen feindlichen Gegensätzen befreien.

Sie vereinigen ja sichtlich das wesentliche und das jetzt für uns erreich-bare Gute, welches ehrliche und verständige Bestrebungen der Liberalenwie der Conservativen im Auge haben können. Dieses suchte schon das ganzebisherige Staatslexikon und insbesondere seine encyklopädische Einlei-tung wieseine Vorrede und der Artikel Staatsverfassung zu erweisen.Wie verschieden auch rein theoretische Anschauungen und Ideale sein und wie lockendsie an sich erscheinen mögen bei den natürlichen Unvollkommenheiten, Beschrän-kungen und Gefahren der Verwirklichung jedes Ideals im Irdischen, und bei denunabweisbaren Bedingungen und Forderungen unserer heutigen Entwicklungspe-riode erkennen endlich alle wirklich praktischen Männer immer mehr nur in derVereinigung jener zwei Hauptgrundsätze Friede und Rettung für die Freiheit undfür das Königthum und für ihre besten Güter.

Sollten die Liberalen uns hierin widersprechen wollen, nun so fragen wirsie, ob hier unter dem Monde irgend eine Republik der alten und neuen Zeit, obdie der Athener, Römer, Venetianer, Schweizer und Amerikaner ohne große,sehr große Mängel bestanden oder bestehen? Wir wollen hier davon absehen,ob nicht mit Recht, übereinstimmend mit den altgriechischen, altrömischen und alt-deutschen Volksideen, die größten Staatsmänner, Aristoteles und Poly-bius, Cicero und Tacitus, Montesquieu, Blackstoneund Möser,gesunde und zeitgemäße monarchische, aristokratische und demokratische Grundele-mente im Staatsideale vereinigten. Wir fragen aber, ob nicht die herrlichstenGüter der bürgerlichen Freiheit als vereinbar mit englischer und französischer, mitnorwegischer und belgischer Monarchie sich zeigten?' Wir fragen, ob denn der bür-gerliche Friede und die friedliche Vereinigung aller Gassen und Kräfte der Gesell-schaft für des Vaterlandes Macht und Blüthe keine Güter, ob die meist auf Men-schenalter hin Vertrauen, Sicherheit und Rechtlichkeit erschütternden Revolutionenund Bürgerkriege keine Uebelstände sind? Gerne gestehen wir zu, daß für ein Volkdie Vernichtung der Freiheit die verderblichste Pest, und daß auch für ein Volk derehrenvolle Untergang vorzuziehen ist dem Leben voll Schande, daß endlich das ge-fährliche kritische Fieber noch besser ist, als der gewisse Tod. Aber ohne hierin den übrigen Streit über ein Recht zu Revolutionen einzugehen fragen wir fer-ner, ob denn ohne die-Zustimmung und Mitwirkung der Nation, obdurch thörichte, eigenmächtige Revolutions- und Verschwörungsversuche aus unge-setzlichem Wege und mit Umsturz der bestehenden Grundmauern unseres gesell-schaftlichen Gebäudes die Freiheit und vollends die Republik, oder nicht vielmehrnur neue Uebel zu den alten bewirkt werden würden. Selbst der erste römischeFeldherr, Marius, an der Spitze einer Armee von Römern, wagte keine Schlacht