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Vorrede zur neuen Auflage.
sich stumpfsinnig den Lebensgenüssen oder einer selbstsüchtigen Sorge für ihr Privat-wesen. Stets fördert die Unterdrückung der fr ei en Bewegung für die zeitge-mäßen höheren Lebensaufgaben die Thätigkeit für Selbstsucht, Habsucht undGenußsucht, für vornehmeren und gemeineren Epikuräismus. Ihr tägliches Wach-sen in dem Maße, in welchem wahre politische Freiheit versagt wird, dieses wirdwohl kein aufmerksamer Beobachter ableugnen. Schon der Blick auf unsere mei-sten Residenzstädte ist hier belehrend genug.
So, aus diesen doppelten Gründen, erstorben auch damals fast alle regelmäßi-gen Organe für liberale politische Bestrebungen, oder sie dienten neben dürftigerBemühung für sie zum größeren Theile anderer Herrschaft, der Neugierde undMode, dem Luxus, gelehrtem Handwerk oder der geschmeichelten Gewalt.
Dennoch fand die Beharrlichkeit des Staatslexikons in der Vertheidigung der-jenigen Grundsätze, deren Verwirklichung mit der heutigen gesitteten Welt in derZeit der ruhmwürdigen Erhebung der Nation auch die deutschen Regierungen alsdie höchste Aufgabe der Zeit, als das Heil für Thron und Staat anerkannt hatten,überall in unserem deutschen Vaterland eine unerwartete, dankenswerthe, günstigeAufnahme. Das Staatslexikon wurde, trotz all seiner uns wohl bekannten großenUnvollkommenheiten, mit wirklich seltenem Wohlwollen ausgenommen.
Die erfreulichste Anerkennung, den größten Lohn für die Anstrengungen derHerausgeber und Mitarbeiter mußten sie darin finden, wenn sie öffentlichen undPrivaturtheilen Glauben schenken durften, daß das Staatslexikon in einer schwerenKrise für unsere vaterländischen Lebensverhältniffe wohlthätig mitgewirkt habe fürden jetzt allmälig wieder befestigten und in ungleich größeren Kreisen verbreitetenGlauben an die constitutionelle Monarchie, an eine vereinte gesetz-liche Bemühung für sie und gegen die politische Gleichgültigkeit, wie gegen diejetzt fast lächerlich gewordnen mystisch religiösen, romantischen und schulphilosophi-schen servilen Theorien, wie die Schlegel'schen, Haller'schen, Historischen undHegel'schen.
Erfreuen und erheben mußte uns diese Anerkennung vorzüglich deshalb, weilwir ganz so, wie es derunvergeßliche Rotteck in dem Vorwort zu der ersten Ausgabeaussprach, noch heute und jetzt mit erhöhter Klarheit nur in dem Siege jener Haupt-ideen— der staatsbürgerlichen Repräsentativverfassung und derpolitischen Vereinigung zuihrer gesetzlichen Erkämpfung undVertheidigung — die Sicherheit und das Heil des Vaterlandes, seiner Fürstenwie seiner Bürger, sehen. Und gewiß, nur ihr baldmöglichster Sieg kann großeGefahren und Nebel von uns abwehren.
So bleibt denn das Panier auch in der neuen Ausgabe für das Staatslexikonebenso dasselbe, wie es für die Arbeiten der frühem Ausgabe, wie es für alle poli-tischen Bestrebungen der Herausgeber stets dasselbe war.
Und vertrauensvoller erheben wir es heute, als vor eilf Jahren. Alle schmerz-lichen Gefühle und Besorgnisse wegen der Tücken der Freiheitsfeinde, alle Mühenund Leiden der Kämpfe treten zurück bei dem erfreulichen Anblick des neuen allge-meineren Erwachens der edleren Kräfte unseres Volkes, bei dem erhebendenGefühle seines neu beginnenden höheren Lebens, welches wie Frühlingsodem unsumweht. Ja es ist fröhlich, heute zu leben: die deutschen Herzen und Geister er-