XVI
Vorwort
der Absolutismus noch schützen; sie verlangen ihn also als vermeintlich letzte Zu-fluchtsstätte gegenAnarchie und Revolutionsgreuel. Die Wohlge-sinnten unter den Liberalen dagegen können zwar wohl die Republik auch ansich als edles Gut achten; aber, wenn sie zugleich verständig sind, so werden sie diewirkliche Ei nführung der Republik unter den gegenwärtig obwaltenden Umstän-den theils für unmöglich, theils wenigstens für höchst g efahrvoll und nur aufdem Weg eines gewaltsamenUmsturzes gedenkbar, mithin vom Standpunktdes Rechtes oder der G esetzlichkeit verwerflich erkennen. Nur im Falle derimminenten Gefahr für alles heilige Recht und für die höchsten Güter der Gesell-schaft , nur nach Verlust aller Hoffnung eines auf gesetzlichem Wege zu errin-genden billigen Friedens und somit nur als letztes Rettungsmittel gegeneinen den Todesstreich dräuenden Feind könnte also den Gemäßigtem —mithin der unendlichen Mehrzahl der Liberalen — die Republik ein Ziel desStrebens werden. War doch das Höchste, was Lafayette, der Hochbegeistertefür Amerika's, das er glorreich mit befreien half, Verfassung, für sein theuresFrankreich begehrte, eine Monarchie mit republikanischen, d. h. srei-heitlichenJnftitutionen, und wissen doch die acht constitutioncll Gesinntenwohl, daß eine Monarchie, gepaart mit lebenskräftigem Volksrecht, die wesent-lichen Segnungen der Republik vollkommen und dabei gefahrlos zu gewährenvermöge, daher des Gerüstes oder Formenwerks der letzten gar nicht bedürfe.
Ist nun dem also, und würde durch überzeugende Darlegung solcher Gesin-nung beiderseits die Furcht gehoben, was stünde dann noch weiter dem Frie-den im Wege?— Wohlan denn, so möge die Erklärung stattfinden!— DieWohlgesinnten unter denAbsolutisten, wenn sie die Mehrheit oder wenigstensden machthabenden Theil derselben bilden, können am leichtesten durch dieTh at'beurkunden, was sie wollen, was also von ihnen zu hoffen ist. Sie kön-nen durch, thatsachliche Anerkennung, durch tatsächliche Sicherstellungeines selbstständigen Volksrechtes die Besorgnisse der Patrioten heben;und sie können zumal durch Gewährung des freien Wortes und der Oeffent-lichkeit die Aufrichtigkeit ihrer guten Gesinnung beweisen. Die Wohlge-sinnten unter den Liberalen aber mögen, entgegenkommend, unverholenund klar aussprechen, was sie verlangen, wünschen oder fordern;und sie mögen solche Forderungen beschränken auf dasjenige, was im heiligen Rechteines politisch mündigen oder solcher Mündigkeit entgegen reifenden Volkes begrün-det ist, was also ohne Rechtsverachtung oder Vo lksverachtung nicht ver-weigert werden kann. Sie mögen durch die Aufstellung solcher Forderungen e i npolitisches Glaubensbekenntniß verkünden, oder ein Panier aufstecken,um welches alle leidenschaftlosen,' gemäßigten, besonnenen Liberalen, d. h. also dieunermeßliche Mehrheit derselben, sich sammeln mögen, und welches dann für ver-derblich, für Thronenfturz, allgemeine Umwälzung, Niedertretung aller Rechtedrohend, zu erklären, um durch vorgegebene Furcht vor solchen Greueln die terro-ristischen und absolutistischen Maßregeln zu rechtfertigen, nur noch die Wüthendenoder unheilbar Verblendeten der Neactionspartei ferner den Muth haben werden.Ja, es ist zu hoffen, daß selbst aus dieser Partei die Redlichen und Gemäßigten,die in der That blos aus Einschüchterung zu derselben Getretenen, nicht nur «blassen