XI
zur ersten Ausluge.
teten demnach unter einem doppelten Joch. Es mußte ihnen dasselbe um soharter und unerträglicher erscheinen, als die Einsicht in die Natur dieser Verhält-nisse durch die Schriften der Verständigen und Rechtliebenden, trotz Censur undBastille, sich in alle Classen der Gesellschaft verbreitet hatte. Hätte den damaligenMachthabern die Klugheit und Kraft eines Napoleon zur Seite gestanden, sowürden sie das Aufkommen solcher Einsicht durch Vereinbarung von Präventiv -und Repressivmaßregeln verhindert haben. Zum Glücke der Menschheit fand die-ses nicht statt, und diesem Umstand mag Europa die Hoffnung verdanken, nichtzu einem westlichen China gemacht zu werden.
Der in der Erkenntniß der Verständiger» im Volke klar gewordene Wider-streit des vernünftigen Rechts gegen das historische, die hiedurch zumAngriff gegen das letzte getriebene öffentliche Meinung brachte die franzö-sische Revolution hervor. Besondere Ereignisse und Umstände hatten dasfranzösische Volk dazu berufen, zu solcher Revolution das Signal zu geben:aber sie wäre früher oder später gleichwohl hier oder dort erfolgt, als Frucht der inStille vorangeschrittenen Geistesbildung der edlern Nationen Europa's.
Die Revolution brach aus, nicht gegen das Königthum, sondernmehr nur gegen die Aristokratie des Adels und des ihm verbündeten hohenKlerus; sie brach aus, begleitet von der lebhaftesten Sympathie aller verständigund wohl Denkenden in Europa, in der ganzen Welt. Die französische Na-tionalversammlung vom Jahr 1789 ist der Huldigung aller kommenden Zei-ten gewiß; Geisteskraft und Gemüthsadel sind ihr, selbst von den Bessern ihrerFeinde anerkannter, Charakter. Die französische Revolution begann, und damitder Kampf des vernünftigen Rechts gegen das positive und historische. Unter denhoffnungsreichsten Anzeigen begonnen, nahm sie nur allzubald eine verderblicheRichtung. DieCoalition derMächte, unter dem Einfluß der Aristokra-tie, rief auf der andern Seite die Pöbelmacht und Schreckensherrschafthervor, deren grausenvolle Wirkungen noch jetzt als Schreckbild dienen.
Das durch inner» Kampf fortwährend bewegte, durch den furchtbar erneutenäußern Krieg geängstigte Frankreich fand endlich Beruhigung und glänzenden Siegunter der Herrschaft des kühnsten und glücklichsten seiner Feldherrn. An die Stelleder Freiheit, deren die „gr oße Nation" durch eigene Schuld verlustig worden,trat jetzt die unbeschränkte soldatische Gewalt des Einen, dessen wunder-gleiche Triumphe über das gedemüthigte Europa jedoch und dessen aus Wohlstand,Macht und Ruhm berechnete geniale Schöpfungen in allen Sphären der Verwal-tung einigen Trost gaben, und dessen Herrschertitel endlich — als wenigstensscheinbar oder angeblich dem Willen der Nation entflossen — noch ein Haupt-princip der Revolution und damit die Hoffnung des künftigen Sieges auch derübrigen bewahrte.
So wie früher die Freiheit, so fand jetzt auch die H errschaft ihren Unter-gang durch Mißbrauch und Uebertreibung. Der sieggewohnte, aber desSieges nimmer satte Imperator sah, in unerhört schnellem Umschwung der Dinge,den Umsturz seines wie im Flug erbauten Weltreichs und fand auf der öden Fel-seninsel sein einsames Grab. Die Restauration der Bourbonenund mit ihnender Legitimität, wie man es nannte, schloß den Abgrund der Revolution;