IX
zur ersten Auflage.
den Disciplin, bereicherte sich Tag für Tag durch die Forschungen derDenker in den verschiedenen auf das Staatsleben Bezug habenden Sphären derErkenntniß und durch die fortwährend angehäuften Erfahrungen der Ge-schlechter. Wenn auch nicht zum Behuf der Verwirklichung idealer Staats-zwecke, so doch zum Behuf der Beförderung fürstlicher und überhaupt näherer oderentfernterer Regierungsinteressen nahm man die Früchte jener Forschungenund Erfahrungen nützlich an und führte sie praktisch in die Staatsverwaltung ein.So wurden zumal die sogenannten cameralistischen Disciplinen, oder nachedlerer Benennung die Nationalökonomie und Staatswirthschaft, emsigbefördert; es wurden die auf Vermehrung der Production, demnach desErtrags der Länder, auf Eröffnung neuer oder bessere Benutzung bereits vorhande-ner Quellen des National- oder Staatsreichthums und der Staatskraft, mitbin aufEmporbringung der Landwirthschaft, der Industrie und des Handels undhierdurch auch auf Vermehrung der Bevölkerung abzweckenden Hülfsmittel undAnstalten sorgfältig aufgesucht und ins Dasein gerufen, auch jene Wissenschaftenund Künste gepflegt, welche näher oder entfernter denselben Zwecken zu dienen geeig-net sind, namentlich die sogenannten Realdisciplinen, dann aber auch jeneschönen Wissenschaften und Künste, deren Flor zu befördern als ein Gegenstanddes wetteifernden Ehrgeizes erschien, und deren Productionen zur Vermehrung desGlanzes und der Herrlichkeit der Höfe und zur Steigerung des feinern Lebensge-nusses in den höhern Regionen beitrugen. Mit ganz vorzüglichem Eifer aber wurdedie Finanzkunst vervollkommnet, und mittelst der hiernach fortwährend gesteiger-ten Staats-und fürstlichen Einkünfte zumal das Heerwesen auf eine in früher»Zeiten unerhörte Höhe nach Truppenzahl und Ausrüstung gebracht. ^ Solche Hee-resmacht, im Innern auf größere Sicherheit und Glanz des Thrones berechnet,verstärkte zugleich den Nachdruck der diplomatischen Verhandlungen nach außen.Die letzten wurden dabei mehr und mehr verfemt, geschliffen, complicirt und in ihrenRichtungen auch den Principien der einheimischen Politik nach Thimlichkeit ange-paßt. Auch die Polizei wurde verbessert, verfemt und gekräftigt, insbesonderediejenigen ihrer Zweige, welche den materiellen oder wirthschaftlichen Interessendienen, und auch diejenigen, welche die Erhaltung der Ordnung, Ruhe und desGehorsams zum Gegenstand haben. Selbst dieIustiz, wiewohl man dieserfast zuletzt und mit nur geringer Sorgfalt gedachte, erhielt einige Reinigung. We-nigstens ein Theil der auffallendsten Rohheiten, Härten und abgeschmacktenoder tyrannischen Mißbräuche in Gesetzen, Formen und Hebungen — herstammendmeist aus der barbarischen Zeit des Mittelalters und solcher Herkunft entsprechend"— wurde abgeschafft oder außer Anwendung gesetzt; der laute Ruf menschenfreund-licher und geistvoller Schriftsteller gab dazu den mächtigen Anstoß. In einzelnenStaaten ging man noch weiter und schuf die veralteten Gesetze und Institutionen— wenn auch nicht befriedigend, doch immer das Wehen eines bessern Geistes ver-kündend — völlig um. In andern traf man dazu wenigstens einige Vorbereitung.Und endlich legte man noch an den Staatsorganismus selbst, an den früherunbehülflichen und schwerfälligen, und an das Gesammtsystem der Admi-nistration, mit ihren Gliederungen, Werkzeugen, Formen und in einander greifen-den Rädern, eine mehr künstlerische, zumal die Beförderung der Raschheit, Energie,