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1 (1845) [Aac - Aus]
Entstehung
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Vorwort

Sobald jedoch ein Staat nur besteht, wenn auch schlecht verfaßt und schlechtregiert, sobald also nur die Möglichkeit des Entfaltens und Wirkens menschlicherAnlagen und Kräfte gegeben ist, so werden dieselben auch ohne Beihülfe derStaatsgewalt, jawohl trotz ihres, nur zu oft eintretenden, Entgegenstrebensthätig sein zu fortschreitender Erhebung, Veredlung und Beglückung des Geschlechts.Schon der Geist eines Einzelnen, in stillem Sinnen, vermag alsdann Ent-deckungen zu machen und Schätze der Erkenntniß auszugraben, welche eine höchstkostbare und zugleich meist unverlierbare, ja durch immerdar neue Erfindungen,durch fortwährendes Sammeln und Benutzen der bereits gemachten Erfahrungenin steigender Progression sich erhöhende Bereicherung für alle nachfolgenden Gene-rationen sind. Noch weit mehr aber mag dann gewirkt werden durch freie Ver-bindungen, durch vereintes Streben Vieler, die ein gleicher Geist beseelt.Dergleichen Verbindungen verlangen in der Regel gar keine Unterstützungvon Seite der Staatsgewalt. Sie gedeihen oft am besten, wenn die letztegar keine Notiz von ihnen nimmt, und viele der edelsten und fruchtbringendstensind gewesen, welche gerade beim Ermangeln aller Kraft der Staatsgewalt ins Lebentraten, um solchen Mangel an Kraft oder Intelligenz durch Privatkraft zu erset-zen, oder auch um einer den edlern Interessen der Humanität sogar feindseligenStaatsgewalt ihr denselben befreundetes Bestreben entgegen zu stellen. Un-endlich Vieles, das groß und herrlich ist, in den Gebieten der Wissen schaft undKunst, des Handels, der Schifffarth, des Landbaues und Gewerb-fleißes, des Familien- und Gesellschaftslebens, der Religion undKirche, selbst des Rechtsschutzes und der Sicherheit überhaupt, deren Her-stellung sonst die Hauptaufgabe für die Staatsgewalt ist, geschah durch Pri-vatthätigkeit von Einzelnen und von Vereinen, ohn«alleStaatshülse,ja großentheils selbst im Kampfe gegen eine solcher Bestrebung abholde, das Gutescheuende oder unterdrückende Staatsgewalt. Man gedenke nur des Christen-thums unter den heidnischen Imperatoren, der Kirchenverbesserung unterdem vereinten Druck der geistlichen und weltlichen Macht, der edlern Chevalerieinmitten des blutigen Faustrechts, der unendlichen Segnungen der Bücherpressetrotz Censur und Verfolgung u. m. a. und man wird die Frage leicht beantwortenkönnen, ob in den alten und Mittlern Zeiten die Humanität wirklich dem Staatund der Staatswissenschaft, oder ob sie dem frei aus sich selbst schaffendenMenschengeiste das Meiste zu verdanken habe?

Von diesem Standpunkte aus mag oftmals die Unthätigkeitder Staatsge-walt Vergleichungswelse selbst als ein Gutes erscheine, und sogar ein direktes, dochminder kunstreiches und minder scharfblickendes, Wid erstreben weniger verderb-lich sein, als die zum Dienste des Herrscherwillens vervollkommnte staats poli-zeiliche Kunst. Aber die ächte Staatsw issenschaft würde den Inhabernder Staatsgewalt einen Weg vorzeichnen und Mittel darbieten zur wirksamstenund heilbringendsten Beförderung aller vernünftigen, humanen und bürgerlichenZwecke; und die Neuzeit hat den Beruf insich, solche äch te Staatswissenschaftzu erbauen und die Häupter der Staaten-zur treuen Beobachtung ihrer Lehrenaufzufordern. Sie mahnet sie nämlich einerseits zur Enthaltung von allemstörenden oder hemmenden Einwirken auf den nach edle» Zwecken ^redenden Men-