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10 (1848) [Not - Pra]
Entstehung
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482
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482 Parteien.

so folgt Stillstand und allmälig Abnahme. Alles ist Thätigkeit, Bewegung, schaf-fende Kraft in der aufsteigenden Linie; Alles gemessen, gehalten, ruhende Kraft inder absteigenden Linie.

In die aufsteigende Linie fallt der Knabe und der Jüngling (jüngere Mann), in dieabsteigende der Mann und der Greis. — Der Augenblick, in dem der Jüngling zumMann ausgewachsen ist, bezeichnet die Spitze des Wachsthums, den Gipfel, von demaus die Entwicklung sich bricht. In der Knaben - und Jünglingszeit werden die thä-tigen (activen, productiven), in der Mannes- und Greisenzeit die verarbeitenden(reproductiven, passiven) Kräfte den Organismus beherrschen. Das sch affend e Prin-cip repräsentirt der Jüngling, das erhaltende der Mann, das anregende derKnabe, das abschließende der Greis. Der Jüngling ist liberal, der Mann kon-servativ, der Knabe radikal, der Greis absolut. (Rohmer sagt stets absolut,statt absolutistisch.) *)

Das Verhältniß der Parteien unter sich gestaltet sich nach ihrer inneren und äußer-lichen Verwandtschaft und Abneigung folgendermaßen:

Aeußerlich verwandt, aber innerlich fern ist der Liberalismusdem Radikalismus, der Conservatismus dem Absolutismus.

Der Liberalismus dem Radikalismus, denn wenn Knabe und Jünglingin der Art der Thätigkeit sich gleichen, so sind sie desto geschiedener in dem Gehaltederselben.

Der Conservatismus dem Absolutismus, denn der Greis und der Mannhaben zwar die Passivität der Seelenkräfte gemein, um so weniger aber den Stoff.

Aeußerlich geschieden, aber innerlich nahe steht der Liberalis-mus dem Conservatismus, der Radicalis mus dem Absolutismus. (!!!)

Der Liberalismus dem Conservatismus, denn in Beziehung auf jenenStoff sind sich die beiden Mittelstufen (Jüngling und Mann) viel ähnlicher als Mannund Greis es sind. Im Jüngling wirkt vor Allem die zeugende Kraft, mit derMannigfaltigkeit ihrer Triebe, der Muth und das Feuer der Thatkraft, sodann ge-mäßigter der Geist in seiner höheren Blüthe, der sichtende, organisirende Verstand undmit ihm die Gewalt der Sprache. Der ältere Mann verarbeitet das Geschaffene mit be-wahrender Kraft, im Geist wie im Gemüth. Der Umfang der Forschung und dieKlarheit des Wissens ist sein, und wie der Jüngling den glühendsten Muth, so trägter das edelste Herz und die tiefste Ahnung des Mannes in sich.

Aeußerlich geschieden, aber innerlich nahe steht der Radikalismus dem Abso-lutismus. Der Knabe trägt alles Das im Keime in sich, was die spätere Zeit hervor-bringt: aber sein Leben ist nur Vorbereitung, nur Andeutung, nur Unterlage fürs kom-mende. Der Greis im Gegentheil hat dieFülle des Lebens durchlaufen; aber die Lebenskraftist verstecht. Seine Ruhe ist nicht die Ruhe der Kraft, sie ist die Ruhe der Vollendung;und wie der Knabe noch kein selbstständiges Leben lebt, sondern nur ein werdendes, so lebtder Greis ein vollendetes, aber ein losgelöstes (absolutes). Sein Leben ist ein Scheinleben,wie die Kraft des Knaben eine Scheinkraft ist: der Knabe lebt im Streben ohne Können— in der Zukunft; der Greis in der Erinnerung ohne Schöpfung — in der Vergangen-heit. Der Knabe und der Greis sind verhältnißmäßig weiblich geartet. BeimKnaben so wie beim Weibe wiegt Phantasie und Gefühl über die strengeren Seelen-kräste vor. Der Geist des Knaben, wie der weibliche Geist, lebt in der Anschauung,sein Gemüth, wie das weibliche, hat mehr Empfänglichkeit als Stärke. Von Logiksind Beide gleich weit entfernt und es ist eben so unmöglich einen Knaben als ein Weib durchGründe zu überzeugen, gleich leicht sie durch Thatsachen zu belehren. Der alte Mannhat mit dem Weibe die Reizbarkeit seines Wesens, die Fertigkeit seines Ver-fahrens, die Sicherheit und Kälte der Berechnung (!!), die Schnelligkeit und Güte der

*) Tiefer zurückgeführt auf Wesenheit und Grundgesetz des Lebens sind die Periodenund ihre Charakterisirung oben im Artikel „Natürliche Grundlagen."