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10 (1848) [Not - Pra]
Entstehung
Seite
481
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Parteien. 481

Man sieht, indem die Menge den Sah aufstellt: „wer mit der Zeit geht, geht vor-wärts", hat sie sich selbst zum Geist der Zeit gesetzt und verspricht alle Diejenigen mitihrem Ruhm und ihrer Liebe zu belohnen, welche mit ihr gehen. Wer etwas weiter sieht,wird freilich entgegnen: „du sollst dem jetzigen Aeitgeiste folgen, nicht als solchem, sondernweil er der wahre, liberale ist, wie der verwichene ein falscher, serviler war"; obererspricht eben damit aus, daß ec dies zu beweisen hat, und daß der Beweis und damitdie innere Bedeutung jener Parteinamen auf einem ganz andern und tieferenGebiete liegt, als es den Anschein hat."

Man sieht, Rohmer durchschaut die Trivialität, das Ungenügende, Unklare der ge-wöhnlichen Auffassung und er wird daher in seiner „Wissenschaft" wohl ganz anders ver-fahren und ohne Zweifel einen richtigen Maßstab, d. h. dasjenige Allgemeine, Nothwen-dige Nachweisen, das die Parteien durch einen Causalzusammenhang mit sich verbindetund eine direcle Hinweisung auf ihr eigentliches Wesen, auf ihre Unterschiede und Ver-wandtschaft enthalt ? Wenn er daher einige Seiten nach obigem Eitat foctfäbrt: „alsonicht um äußere Kennzeichen handelt es sich, sondern um die natürliche Wesenheit derParteien — d. h. um das Allgemein-Menschliche, woraus der Trieb und mitdem Triebe die Form der Parteien hervorgeht", so könnte man ihn auf der rechten Fährtevermuthen und von ihm nunmehr einen Aufschluß über jenes unbekannte „tiefere Gebiet",auf welchem die „innere Bedeutung jener Parteinamen" beruht, füglich erwarten. Folgenwir ihm daher auf dieses tiefere Gebiet:

„Die höchste Erscheinung des menschlichen Geistes in der Zeitlichkeit, fahrt er fort,ist der Staat; der Staat muß deshalb im menschlichen Geiste enthalten sein. Die Gründeund die Ordnung des Staates können nur in dem Ban und der Anlage des menschlichenGeistes gesucht werden. Im Organismus der menschlichen Seele liegtfolglich der ganze Organismus des Staates. Aus ihren Bestandtheilenund Gesetzen hat ek sich mit Nothwendigkeit gebildet, und Alles, was ihm angehört, undsomit auch die Parteien, kann nur hierin seine Erklärung und Rechtfertigung finden. DerStaatskörper an sich betrachtet, blos in seinen Bestandtheilen, kennt noch keine Parteien.Er kann gedacht werden in allen seinen Gliedern, fertig in seiner ganzen Mechanik, nachden Elementen der Bevölkerung, der Ordnung der Stände, der Einrichtung seiner In-stitute — und mit alle Dem sind noch keine Parteien gedacht. Diese treten erst in demAugenblicke hervor, wo die Entwicklung des Staates gedacht wird, sie sind sonach, ohneBestandtheile des Staatskörpers zu sein, unzertrennlich verbunden mit dem Staats-leben. Um den Staatskörper zu erkennen, muß ich die Bestände!)eile der mensch-lichen — um das Staatsleben zu begreifen, die Gesetze ihrer Entwicklung suchen.Die verschiedensten Individualitäten unterliegen, obwohl jede in ihrer Art, doch im Wesent-lichen nur einer und der nehmlichen allgemeinen Entwicklung. Die verschiedensten Staa-ten unterliegen, obwohl in sehr mannigfacher Färbung, doch im Wesentlichen nur einerund derselben Bewegung des Lebens in deü Parteien. Der Ursprung der Parteien gehtsomit aus der organischen Entwicklung des Menschen, d. h. aus den Lebensstufendes menschlichen Geistes hervor. Diese Lebensstufen sind ausgedrückt in denLebens altern. Die Entwicklung selbst, wie sie in der Aufeinanderfolge der verschiedenenStufen sich abspinnt, ist die Geschichte. Die Stufen aber, als selbstständige Gestal-tungen für sich und neben einander bestehend, sind die Parteien."

Sehen wir uns die specielle Ausführung etwas naher an, ehe wir an die Prüfungdieser unstreitig sehr paradoxen allgemeinen Darstellung gehen. „Zu allen Zeiten sind,wie Rohmer weiter bemerkt, vier Stufen der menschliches Entwicklung angenommenworden, entsprechend dem Gesetz, welches die Natur in ihren gesummten Schöpfungeneingegraben hat: der Knabe, der Jüngling, der Mann und der Greis. JenemGesetz ist der Körper und der Geist gleichmäßig unterworfen. Hierher gehört nur die Ent-wicklung des Geistes: der Knabe, der Jüngling, der Mann, der Greis im geistigenSinn. Das ganze Leben des Menschen gleicht zur einen Halste einer aufsteigenden,zur andern einer absteigenden Linie. Bis zur Milte des Lebens geht in unaufhör-licher Steigerung die Zeit des Wachsthums; hat das Wachsthum seine Spitze erreicht,Staats-Lerikon. X. 31