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10 (1848) [Not - Pra]
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Parteien.

schrift, daß der Gläubige beim Gebete und beim Genüsse der Speisen den untern Theildes Gesichtes mit dem Penom (einer Art Sack) verhüllen müsse, weil sein Speickelirgend Etwas verunreinigen könnte.

Liegen nun aber in diesen Vorschriften an sich schon unvernünftige Hemmungenfreier Bewegung, verstoßen diese Gebote an sich schon vielfach gegen die Menschen-würde, so verdient doch fast einen noch stärkern Tadel jene unsinnige Art, mit welcherdie sogenannten Reinigung en vorgenommen werden und worüber sich gar Vielesin den heiligen Büchern der Parsen findet. Die reinwaschende Flüssigkeit ist Nereng— Urin von Stieren, der sinnlos genug beinahe geradezu vergöttert wird. Nochmehr. Einem Weibe, das mit einem tobten Kinde niedergekommen, giebt man amvierten Tage nach der Niederkunft Nereng, um den Leib und die Kleider damit zuwaschen. „Zwei Mobeds (Priester) halten ihr darauf Nereng, mit Asche vermischt,vor; sie trinkt es und recitirt dabei die vorgeschriebenen Gebetformeln!"

So finden wir in der Parstreligion eine Menge Vernunft-, darum naturwidrigerSatzungen, durch welche die Menschenwürde tief verletzt, die Entwickelung und dasVoranschreiten der Menschheit vielfach beinahe unmöglich gemacht wird. Als nun dieseReligion mit dem Mohamrdanismus in Kampf gerieth, konnte sie ihm nicht widerstehen;denn wenn der letzte auch in einzelnen Beziehungen (namentlich in dem Zustande derFrauen) roheren Grundsätzen huldigt als die Ivroaster'sche Lehre, so übertrifft er diesedoch ungemein in praktischer Erfassung der menschlichen Verhältnisse, in Anerkennungdes Princips einer freieren Bewegung des einzelnen Individuums wie der Gesammtmasseund in Beseitigung jener Priesterherrschaft, welche der Zend-Avesta unverkennbar zubegründen sucht. So haben wir denn dieses Unterliegen des Parsithums gegen denMohamrdanismus im Ganzen nicht zu bedauern; und so sehr man uns auch die Recht-schaffenheit der noch heute vorhandenen Zend-Avesta-Bekenner rühmt, so sind wir dochüberzeugt, daß die Zeiten des Gueberthums längst vorüber, und daß dieser Eultus einersein inneres Wesen neu belebenden Reformation nicht mehr fähig ist.

Friedr. Kolb.

Parteien im Staatsleben, nach ihren charakteristischen Merk-malen dargestellt, im Gegensatz zu der Theorie von FriedrichRohm er. — Wenn wir das Staats l eben in seine einzelnen Bestandtheile, inseineGegensätze, Kämpfe und Bewegungen zerlegen, so sehen wir diese Aeußerungen einermassenhaften Thätigkeit hervorgehen aus dem Schooße der Parteien, als den eigentlichenOrganen der politischen Bewegung, des öffentlichen Lebens außerhalb des Staatsmecha-nismus. Zn sofern bildet die Lehre von den Parteien einen der wichtigsten Abschnitte inder Politik, denn der Kampf der Parteien ist, nach dem Ausspruche des Schriftstellers,auf dessen Behandlung dieses Gegenstandes ich sogleich zurückkommen werde, er ist,„wie der Boden, auf dem wir stehen, wie die Luft, die uns umgiebt, uns Allen gemeingeworden. Wo die politische Freiheit zu wenig entwickelt ist, um einer äußern Darstel-lung der Parteien Raum zu gestatten, da sind sie innerlich, auf dem geistigen Gebietevorhanden. Wenn nicht in öffentlichen Kammern, treten sie doch im Innern desStaats; wenn nicht im Staat, in der Kirche; wenn nicht in der Kirche, in der Wissen-schaft hervor. Sie sind ungreifbar und unverwüstlich; von einem Gebiete gewaltsamvertrieben, tauchen sie im andern um so heftiger auf: der Staat kann ihnen das offeneLicht verschließen, so wirken sie fort im Dunkel der Köpfe und Herzen; in tausendfacherVerwandlung bleiben sie immer dieselben. Sie sind; und keine Macht derWelt kann sie unterdrücken". Dieses Citat ist entnommen der Schrift einesMannes, der unter der Herrschaft des s. g. Septemberregiments in Zürich (1839—45)durch sein berechnendes Auftreten als eine Art politischer Cagliostro abenteuerlich sichbekannt gemacht hat. Friedrich Rohmer hat die Lehre von den Parteien (Die vier Par-teien durch Theodor Rohmer. Zürich und Frauenfeld, Druck und Verlag von CH. Beyel,1844) auf eine so originelle, besonders der Form nach geistvolle, in ihren Resultatenauffallende, in der Behandlung kecke Weise bearbeitet, daß seine Schrift Epoche machenwürde, wäre sie weniger Parteischrist. Sie kann indessen umsoweniger umgangen