478 Parsireltgion.
Mehestan— Ormuzdverehrer — behandeln, so lange er nicht mindestens drei Ungläu-bigen — Magiern — wieder zur Gesundheit verhelfen und dadurch seine Kenntnisseerprobt hat.)
Obwohl die Trennung der Menschen in verschiedene Kasten bei den alten Persernlange nicht so weit ging, noch bei dem die Grundlage ihrer Socialeinrichtungen bildendenHerrscherdespotismus so weit gehen konnte wie etwa bei den Hindus und den Egyptiern,so sind doch die Angehörigen der verschiedenen Stände nach vorgeblicher innerer Würdig-keit weit von einander getrennt.
Die Gebete des Priesters sind so viel werth (so kräftig und wirksam), daß ein Arzt,der einen solchen geheilt hat, sich für überreich belohnt (bezahlt) halten muß, wenn Jenerfür ihn betet.
Die Mobeds (Priester) können Befehlshaber von Städten werden und selbstWaffen tragen. Sie würden sich aber herabwürdigen und entehren, wollten sie, sogarim Falle dringender Noth, Arbeiten eines Landmannes oder Handwerkers verrichten.
„Wenn Euere guten Werke", sagt wörtlich der Prophet (Sadder, Art. 8), „zahl-reicher wären als das Laub der Bäume, als die Tropfen des Regens und die Sterne amHimmel, oder der Sand am Meere, so würden sie Euch doch Nichts nützen, wenn sienicht dem Destur (Priester) wohlgefällig sind- Um das Wohlgefallen diesesFührers auf dem Wege des Heils zu erlangen, müßt Ihr ihm treulich den Aehntengeben von Allem, was Ihr besitzet, von Euern Gütern, von Euern Ländereien und vonEuerm Gelbe- Habt Ihr den Destur befriedigt, so wird Euere Seele den Qualen derHölle entgehen; Ihr werdet Ruhm in dieser und Glückseligkeit in der künftigen Welteinernten: denn die Desturs sind die Lehrer der Religion; sie wissen alle Dinge und sieentbinden alle Menschen" (von ihren Sünden?).
Wir treffen in der Parsireligion die mannigfachsten Hemmungen jeder freien Bewe-gung , wie sie doch zur Entwickelung der Menschheit und zu deren Voranschreiten unbe-dingt erforderlich ist. Nicht nur jede Stadt, sondern jede Straße, sogar jedes Haushat besondere Aufseher und Aufpasser. Die gewöhnlichsten Dinge des Lebens müssenunter Beobachtung ceremonieller Vorschriften geschehen; so muß der Parse Isimal dieKniee beugen, wenn er seine Nägel abschneidet, oder wenn er Urin läßt, oder den heili-gen Gürtel anlegt, welchen er (wie der Jude das Zehngebot) von einem gewissen Alteran, sozusagen, immer tragen muß.
Die Frauen haben je ein Oberhaupt (eine Vorsteherin) aus ihrem Geschlechts, dersie gehorchen müssen. — Im Allgemeinen sind die Weiber, wenngleich weit minderherabgewürdigt, als es sonst im Oriente gewöhnlich ist, doch dem Manne an innererWürdigkeit und an Rechten ungemein nachgestellt. „Die Frau muß ihren Mann vereh-ren gleichsam wie einen Gott; denn der gerechte Richter Ormuzd sagt im Gesetze: ichhabe den Weibern das Hersagen der Neaeschs erlassen, damit sie ihre Männer mitNeaeschs verehren."
Den chinesischen ähnliche Begriffe von kindlichem Gehorsam haben sich auch bei denParsen festgesetzt. „Das Kind ist den Eltern unbedingten Gehorsam schuldig. Ant-wortet es seinem Vater oder seiner Mutter dreimal, ohne zu gehorchen, so ist es desTodes schuldig."
Besonders hemmend sind die Begriffe von Verunreinigung des Menschen.So sind alle Verrichtungen, welche das Feuer verunreinigen oder auslöschen könnten,namentlich das Schmiedehandwerk, chemische Schmelzungen u. s. f., den Parsen strengverboten, und dieses vernunftwidrige Verbot wird noch heute von den Guebers in Kirmanund Indien unbedingt beobachtet!
Der bloße Mundeshauch verunreiniget das Feuer, denn Alles, was vomMenschen ausgeht^ ist unrein; unrein wird der Mensch geboren; Wasser nimmt zwardie äußeren Unreinigkeiten hinweg, nicht aber die inneren. Wer mit dem Mundeein Feuer ausbläst, ist todeswürdig.
Der Grund, warum die Menschen unrein geboren werden, ist, weil sie von Kaio-morts abstammen, der von Ahriman verunreinigt ward. Daher denn auch di« Vor-