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10 (1848) [Not - Pra]
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470 Paraguay.

durch ihre geistlichen Väter zu unbedingtem Gehorsam erzogen und ohne deren Leitung zujedem Entschlüsse unfähig, nicht zur Selbstregierung, Selbstvertheidigung gebildet.Aber wohl erhielten sie Ursache, sich nach den vertriebenen Vätern zurückzusehnen, undwenn sie jenes Sprüchwort gekannt hätten, das in den zwischen Hierarchie und Feudal-herrschaft getheilten Zeiten erfunden ward, so würden auch sie mit Wehmuth gesagt haben:unterm Krummstab ist gut wohnen. Denn nun erst lernten sie, daß hinter dieser glänzen-den europäischen Cultur sich auch rohe, formlose oder durch Formen doppelt drückendeHärte, gierige Habsucht und unverständiger Despotismus bergen könnten. Die Spaniernahmen zwar das von den Jesuiten begründete Werk in ihre Hände, verstanden es abernicht zu erhalten und fortzuführen, und in kurzer Zeit gaben die Indianer den Anbau desLandes wieder aus oder kehrten ganz zu dem wilden Leben zurück.

In Paraguay bildeten sich nun analoge Zustände wie in dem übrigen spanischenAmerika. Nur war diese Gestaltung im Vergleich zu anderen Provinzen noch jung; eshatten sich keine großen Städte, kein lebhafter Handelsverkehr gebildet; die Provinz warentlegen und von dem Verkehr mit Fremden abgeschnittener als andere; ein Binnenland,fast ausschließlich vom Ackerbau lebend. Als von Buenos Ayres aus das Banner der Jn-surrection erhoben wurde, fanden sich die Bewohner Paraguays anfangs durchaus nichtin die neuen, fremdartigen Ideen. Belgrano sollte sie ihnen (Oct. 1810) durch 1600Mann begreiflich machen, und der Gouverneur entfloh bei seiner Annäherung. Aber esbildeten sich kreolische und indische Milizen, die, im Verein mit den spanischen Truppen,ein anfangs ungünstiges Gefecht zuletzt doch mit Glück bestanden und die Eingedrungenenzur Capitulation zwangen. Doch dies«»Gefangenen, wie bald man sie auch aus demLande schaffte, verbreiteten Ideen unte» ihren Siegern, die denselben so bald einleuchteten,als sie zu hoffen ansingen, daß sie glückverheißende seien. Schon 1811 bildete sich einCongreß und ernannte eine Junta, Secretär und bald die Seele derselben war jener räthsel-hafte Gas'parRodriguez Franci a (geb. zu Affumpcion 1763, Sohn eines Franzosenund einer Kreolin, erst zum geistlichen Stande erzogen, dann zum Sachwalteramte über-gegangen, von welchen Eigenschaften, denen des Franzosen, des katholischen Elerikersund des Advocaten, sich Manches'in sttitiem später» Wesen erklären lassen dürfte). Daswar denn doch durch die zeitherige Stellung des Landes an die Hand gegeben, daß man sichvon den übrigen Provinzen isolirt hielt, deren Hilfe man nicht brauchte und an die mannicht die Früchte der eigenen Mühe abtreten mochte. Francia bestärkte in dieser Rich-tung. Er wußte, daß er in diesem Kreise das Monopol der Kenntniß und eines gewand-ten Ehrgeizes besaß, und daß eine Vermischung mit den Nachbarländern ihm Concurren-ten erwecken würde. Er wußte seine College» unpopulär zu machen, die Auflösung desCongresses und der Junta und die Annahme einer konsularischen Verfassung zu erwirken,bei deren Entwerfung man sich nur in Rollin's Geschichte der alten Welt Raths erholenkonnte. Fulgencio Pegros und Francia wurden die auf ein Jahr erwählten Consuln, undals man zwei mit den Namen Cäsar und Pompejus unterschiedene Sessel für sie gebrachthatte, setzte sich Francia auf den, der Cäsar's Namen trug. Schon 1814 gelang es ihm,sich auf 3 Jahre zum alleinigen Diktator ernennen zu lassen, in welcher Würde er sich1817 bestätigen iließ. Von da an ward sein Streben hauptsächlich durch di^ Rücksichtauf seine Erhaltung in der Macht beherrscht und erzeigte sich in einer Weise, die in garmanchen Beziehungen an Robespierre erinnert. Er hielt sich uneigennützig wie dieserund nahm von einem ihm zugesprochenen Jahresgehalt von 9000 Piastern nur den drittenTheil an; er widmete sich mit großem Eifer dem Studium der Geschichte, Geographie,Mathematik, Kriegswissenschaft und französischen Literatur und war ein besonderer Be-wunderer Napoleon's, ohne jedoch in jene lächerlichen Nachäffereien zu verfallen, wiesie in Haiti vorkamen; er machte sich höchste Mäßigkeit und Sittenstrenge zur Regel undlebte bis an sein Ende einfach und prunklos, gegen seine nächsten Umgebungen mild, sei-nen Verwandten keinen Einfluß gönnend, sich einsam und abgeschieden haltend. Aber«führte auch eine Schreckensregierung, die um so drückender wurde, je mehr sie vonpersönlichen wechselnden Launen sich bestimmt zeigte. Das Gespenst der Verschwörung,des Aufstandes umschwebte das Lager des Despoten und scheuchte ihn aus den milderen