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10 (1848) [Not - Pra]
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Paraguay. 469

benszwecke in diesen Unternehmungen erblicken wollen. Ich möchte mich für keine von. beiden Meinungen entscheiden. Ich Hube keinen rechten Glauben an die weit reichenden,j ausschweifenden Plane, die man jenem Orden hat zuschreiben wollen, und meine, daßeben seine Klugheit sich in der Wahl geschickter Mittel für das Zunächstliegende zeigte.Auch mag geistliche und weltliche Tendenz vielfach in einander geflossen sein und sich gegen-seitig bedingt haben. Die oben angegebenen Vortheile genügen, um die Vorliebe zu er-klären, mit welcher der Orden Paraguay pflegte, und das Interesse des Glaubens gab diee Weihe, den Nimbus. Einzelnen, vielleicht vielen dort wirkenden Ordensmitgliedernmag dieses Interesse in der That das einzige gewesen sein, und sie mögen die Wirksamkeitfür eine segensreiche gehalten haben, in der sie so viele Seelen der christlichen Kirche ge-wannen, dabei sichtbar dieselben einem rohen, sündhaften Leben entrissen, in väterlicherJucht vor Allem bewahrten, wodurch sie sich und Anderen geschadet hätten, ihnen manchenützliche Kenntnisse, manchen wohlthätigen Grundsatz, manche-gute Gewohnheit bei-brachten und ihnen zugleich ein nach unseren Begriffen genußreicheres und von geringerenphysischen Nebeln heimgesuchtes Leben bereiteten, als sie in ihrem wilden Leben erwartenkonnten. Was letzteren Punkt betrifft, so sagt Iachariä *):Möchte nicht, wenn mandie Bestimmung der Menschen auf Genuß beschränkt, das Loos jener Indianer in denspanischen Missionen der neuen Welt zu beneiden sein, welche, unter einem glücklichenHimmelsstriche, Nahrung und Kleidung aus der Hand ihrer geistlichen Väter empfan-gend, bei abgemessener Arbeit und abgemessener Erholung, unbekannt mit den Thorheitenund künstlichen Bedürfnissen der Menschen, dennoch der Aussichten nicht entbehren,welche die Religion den Menschen eröffnet, keinen anderen Sturm kennen als den-- jenigen , welcher die Bäume ihrer ewigen Wälder bewegt ?" Der Charakter der Ein-richtung liegt auch in diesen Worten. Die Indianer waren nur in einzelnen Missionenvereinigt, wohnten gemeinschaftlich unter der Aufsicht ihrer geistlichen Väter, sahen sichd von diesen in allen ihren häuslichen Angelegenheiten wie Kinder geleitet, von' ihnen zuregelmäßigen Stunden zum Gebete, zur Arbeit, zur Erholung geführt, mußten dieProducts der ihnen vorgeschriebenen Arbeit in die Vorräthshäuser der Väter liefern, vonwo dieselben dann im Handel vertrieben wurden, sahen sich aber durch die ihnen freigebiggespendete Nahrung und Kleidung gegen jeden Mangel gedeckt und in vergleichungswei-sem Ueberflusse, wurden mild behandelt, überall, wo keine Collision mit den Zwecken desOrdenseintrat, zum Besten berathen, in manchen nützlichen Fertigkeiten unterwiesenund zu kindlichen, sanften, folgsamen, frommen Geschöpfen gebildet. Sie zeigten auchviele Anhänglichkeit an ihre Führer, und wenn auch Einzelne eine Sehnsucht nachdemwilden Leben ergriff und wohl auch zur Flucht in die Wälder führte, so waren doch solcheFälle selten bei Solchen, die, in den Missionen ausgewachsen, die Reize der Freiheit niegekannt hatten, und die Mehrzahl war eifrig, die wilden Stammgenossen abzuwehren,zu gewinnen, in das glücklichere Leben einzuführen. Als 1750 Spanien und Portugaleinen Austausch von St. Sagramento gegen 7 Missionen in Paraguay beschlossen hatten,widersetzten sich die Jesuiten und mit ihnen die Indianer, und der Vertrag kam erst 1777zum Vollzug. Aber Freiheit war nicht in dieser Geistesbildung, keine Aussicht zu freierFortentwickelung und zum Selbststehen und in der Frömmigkeit kein Bewußtsein, keinegeistige Prüfung. Auch außerdem hatte das dortige Gebäude der Jesuiten seine Mängel,die sie mit aller Klugheit nicht zu ersetzen vermochten. Sie hatten keine legitime Herr-. s chaft; ihr Besitz war ein erschlichener, und wenn Spaniens Hoheit nur ein Name war,so war doch dieser Name nicht abzuschütteln und zeigte sich mächtiger als alle ihre reelleGewalt. Sie hatten keine Kriegsmacht gegen Außen und auch aus ihren Indiern keine. bilden können, die europäischen Truppen gewachsen gewesen wäre. Als 1766 die Ver-bannung des Jesuitenordens aus Spanien beschlossen wurde, mußten sie auch ihre Mis-sionen in Paraguay ohne Weiteres räumen und den spanischen Statthaltern (1767) über-liefern, die da ernten sollten, wo sie nicht gesäet hatten, und die mit Gier und Verwun-derung über die Reichthümer des geheimnißvollen Landes herfielen. Die Indier war«

*) Vierzig Bücher vom Staate (1. Ausgabe). Bd. I. S. 42. 43.