466 Papiergeld.
piergeld zu liefern, ja noch mehr, als der innere Verkehr erheischte. Die Regierung vonPennsylvanien z. B. gab Darleihen in Papier und bezog hohe Zinsen davon. Dievon Massachusettsbay machte in dringenden Fallen Vorschüsse zur Bestreitung deröffentlichen Ausgaben und kaufte das Papier, nachdem es allmalig gesunken war, zu demniederen Preise wieder auf. Diese Colonie bezahlte z. B. im Jahre 1747 den größerenTheil ihrer Schulden mit dem zehnten Theil des Geldes, in dessen Betrag ihre Zettel aus-gegeben worden waren. So geben diese Colonieen in ihren eigenthümlichen Verhältnissendas Beispiel eines Landes, dessen Umlauf ausschließlich durch Papiergeld besorgt wurde.Gold und Silber erschienen höchstens im auswärtigen Handel. Dieser wurde ausschließ-lich mit dem Mutterlande, Großbritannien, betrieben, durch gegenseitigen Austausch ihrerProducte. Virginien und Maryland bezahlten ihre englischen Waaren mit Tabak,und bei ihnen kam Gold und Silber im auswärtigen Verkehre eben so wenig vor als iminner». Dennoch galten sie für wohlhabend und in gedeihlichem Fortschritte begriffen.Pennsylv anien, Newyork, Newjersey u. a. bezogen, theils zum eigenen Ver-brauche, theils zum Zwischenhandel, mehr englische Manufacte, als sie eigene Productenach England zu senden hatten. Das Gold und Silber, welches sie zur Ausgleichung be-durften, wußten sie immer zu finden. Eben so verhielt es sich mit den westindischen Zu-ckercolonieen. Auch zeigte sich, daß die Zahlungen derjenigen Staaten, welche ihren Saldomit Gold auszugleichen hatten, regelmäßiger flössen, als von jeney, welche in Tabak be-zahlten. — Das Verschwinden des Goldes und Silbers aus den Colonieen war also keinZeichen von Armuth oder Unfähigkeit, solches zu kaufen, sondern freie Wahl der Bewoh-ner. Alles Gold und Silber, was sie bekommen konnten, schickten sie nach England, umdafür reelles, werbendes Capital einzutauschen, welches sie unmittelbar productiv benutzenkonnten. Wenn sie Metall nothwendig hatten, kauften sie es, und selbst wenn ihre Zah-lungen stockten, kam es, wie Adam Smith bemerkt, nicht daher, weil die Leute armwaren, sondern weil sie zu eifrig dmiach strebten, übermäßig reich zu werden. (S- AdamSmith, in dem letzten Capitel, von den Staatsschulden, Ausgabe von M'Culloch,S. 428 ff.)
Als die amerikanischen Colonieen das englische Joch abgeschüttelt hatten und in dieReihe der selbstständigen Nationen eingetreten waren, erweiterte sich der Wirkungskreisdes rastlosen Speculationsgeistes. Der auswärtige Handel, bisher auf den Verkehr mitdem Mutterlande beschränkt, sah sich nunmehr die Welt erschlossen, und damit mußte auchder Trieb zur Ausbeutung des Bodens und aller Güterquellen mächtig gesteigert werden.Hatte das Volk zuvor schon, um den größtmöglichen Theil seines Capitals der unmittelba-ren Production zuzuwenden, die edeln Metalle aus dem Umlaufe gezogen und durch Pa-pier ersetzt, so konnte jetzt nicht die Rede davon sein, das kostbarere Circulationsmittel andie Stelle des wohlfeilen zu setzen. Hatten früher die Colonialregierungen das Papiergeliefert, so traten nunmehr die Banken an ihre Stelle. — Die Bank der Verei-nigtenStaaten wurde 1791 in Philadelphia gegründet, und zwar keineswegs als einereine Privatanstalt. Dies geht aus der Einleitung des Freibriefs hervor, welche mit denWorten beginnt: „Eine Bankanstalt muß den Finanzen des Landes große Er-leichterung gewähren, sie kann ohne Schwierigkeit bei unvorgesehenen Ereignissen derRegierung nützliche Vorschüsse machen und leistet dem Handel und der In-dustrie wesentliche Vortheile." So besorgte die Bank, mit Hilfe ihrer Comptoir« in denverschiedenen Staaten, den Einzug und die Versendung der öffentlichen Gelder. DerFreibrief der Bank lautete auf 20 Jahre; er lief demnach 1811 ab, und da ihn der Con-greß nicht erneuern wollte, so hörte die Anstalt auf. Inzwischen wurde das Bedürfnißeiner solchen Anstalt bald fühlbar, besonders in dem Kriege gegen England, 1814. Selbstdie früheren Gegner trugen auf Wiederherstellung an, und im Jahre 1816 ward ein neuerFreibrief auf 20 Jahre genehmigt. Die Staatenbank war aber nicht die einzige Anstalt,namentlich nicht die einzige, welche Noten ausgab. Es bestanden Bankgesellschaften inallen Staaten, ihr Papier füllte den Umlauf, diente zu den gewagtesten Unternehmungen,bezahlte dem Staate seine Ländereien, siel dann, da es oft gar keine reelle Basis hatte,plötzlich sammt der Bank — an deren Stelle andere austauchten, um auch ihrerseits wie-