Papiergeld. 465
sie, man zahme sie, und diese sogenannten Uebel werden die kräftigsten Bindungsmittel des^ Staates und die sichersten Bürgschaften für das Glück jedes Einzelnen werden. Wenndie Unterrichteten aus jenen Widersachern das politische und ökonomische Leben der Na-§ tionen in seiner dermaligen Ausdehnung und Ausbildung naher betrachten wollen, so wer-den sie sich überzeugen, daß man in einem ordentlichen größeren Staatshaushalt, besondersauf einer höheren Stufe der Nationalcultur, des Ereditgeldes nicht mehr ent-behren kann. ... Es ist übrigens offenkundig, daß in den neueren Zeiten bei derf großen Theilung der Arbeit, bei dem rascheren Bewegen alles ökonomischen und politischenLebens, die Metalle nicht mehr ausreichen können, die Functionen einesAusgleichungsmittels allein zu verrichten. Was man also auch jetzt noch gegen das Cre-ditgeld declamirt, ist ein Rest der sklavischen Anhängigkeit an dem handgreiflichen sächli-chen Werth und dessen Repräsentanten, dem Metallgelde u. s. w."^— Von diesem Cre-ditgeld (Banknoten) unterscheidet aber v. Gentz ausdrücklich das Staatspapiergeld,das ohne Unterpfand oder Versprechen derEinlösung zeitweise allein oder neben derMetall-münze die Functionen eines Geldzeichens versieht. Dieses Papiergeld, im engeren Sinne,bezeichnet ec als eines jener Zwangsmittel, deren sich die Staaten bedienen, um große au-ßerordentliche Ausgaben, insbesondere die Bedürfnisse eines langwierigen Krieges zu be-streiten. Hierzu greife man, wenn Kriegssteuern und Anleihen nicht mehr ausreichen, unddas Papiergeld habe die Natur einer indirecten Steuer, deren Größe dem Unter-schied zwischen dem Nennwerthe, zu dem es ausgegeben, und dem gesunkenen Preise, zudem es später eingelöst wird, gleich ist. Das Opfer, welches die Nation auf diese Weisebringe, sei minder hart als manche andere Mittel, weil es allmalig und von der ganzenMasse getragen werde. (S. Kleinere Schriften von Fr. v. Gentz, herausgegeben von Gu-stav Schlesier, Mannheim bei H. Hoff, 1839. Zweiter Theil. Seite 280 u. ff.) —Vollständig und wohlgeordnet, mit Angabe des Geschichtlichen und der Quellen, enthält7 die Lehre vom Papiergeld das treffliche Lehrbuch der politischen Oekonomie von Rau,Heidelberg bei Winter, I. 289. H. 283. III. 487 ff. —
Zum Glücke fehlt es auch in Deutschland nicht an Beispielen von nicht entwerthe-tem Papiergelde; ja es geht Preußen, welches im siebenjährigen Kriege eine systema-tische Münzverschlechterung angewendet, jetzt allen Staaten als Muster eines mäßigen undweisen Gebrauches des Papiercredits voran.
So viel von Deutschland, welches die Papiernoth in vollem Maße empfunden,den zweckmäßigen Gebrauch eines wohlfeilen Umlaufsmittels noch nicht als Bedürfniß ge-fühlt hat, gegenwärtig aber schon ansängt, dasselbe zu fühlen, hauptsächlich veranlaßt durchdie Frage über Herbeischaffung der Mittel für die Eisenbahnfrage. In Baden, Würtem-b erg und Baiern haben Erörterungen darüber bei den Standen stattgesunden. (S. dieArtikel Geldkrisen und Banken.) In dem Charakter der Nation liegen hinreichende Ga-rantien, daß keine Ausartungen in großem Maßstabe Vorkommen werden.
Amerika. — Ein klassisches Land für alle Arten von Gebrauch und Misbrauchdes Credits ist Nordamerika, und zwar nicht minder als Colonie denn als Bundfreier Staaten. — Schon zu Anfänge des vorigen Jahrhunderts singen die Colonialregie-rungen an, Papiergeld auszugeben. Dasselbe war ein Regierungspapier, nicht nach Be-lieben des Inhabers, sondern erst eine bestimmte Zahl von Jahren (in der Rzgel 15) vomTage der Emission einlösbar, ohne in der Zwischenzeit Zinsen zu tragen. Dennoch wurde^ es im Nennwerthe ausgegeben, als gesetzliches Zahlmittel erklärt und bei Entrichtung derSteuern angenommen. Gold und Silber kamen dort im Verkehre gar nicht mehr vor;Papier war das einzige Umlaufsmittel. Es convenirte den Amerikanern, die mit Nutzenauf ihren Boden mehr Capital verwenden konnten, als ikMn zu Gebote stand, die Kostenfür ein so theures Umlaufsmittel, wie Gold und Silber, zu sparen, den Theil ihrer Pro-ducte, welchen sie auf Anschaffung und Unterhaltung desselben hätten verwenden müssen,lieber für den Ankauf von Ackerwerkzeugen, Kleidungsstoffen, Hausgeräthen und anderenErfordernissen zur Einrichtung und Ausdehnung ihrer Pflanzungen zu benutzen; kurz dieNachfrage nach werbendem Capital war so groß, daß so wenig als möglich todt liegen blieb.Auf der andern Seite lag es im Interesse der Colonialregierungen, dem Volke so viel Pa-StaatS - Lerikon. X. - 30