Papiergeld. 457
Verlust für die Einzelnen, alles Gold, das es vorher als Münze verwendete, für Roh-'stoffe, Geräthschaften und Nahrungsmittel umzutauschen, durch deren Gebrauch seinVermögen und seine Genüsse vermehrt werden. Die Frage, ob die Regierung oder eineBank Papiergeld ausgeben solle, beantwortet Ricardo dahin, daß es in Beziehung auf dasVolksvermögen gleichgültig sei; allein im Interesse der Einzelnen sei es vortheilhafter,wenn die Regierung das Geld, dessen sie z. B. zu einer Kriegsrüstung bedarf, in Papier-form ausgebe, weil das Volk in diesem Falle die Zinsen spart, die es durch Steuern auf-bringen muß, wenn die Bank Papier ausgiebt und es der Regierung leiht. Den Ein-wurf, daß eine Regierung die Befugniß, Papiergeld auszugeben, leichter misbrauche alseine Gesellschaft, läßtRicardo nur für eine Willkürh errsch ast gelten, aber nichtfür einen freien Staat, wo das Ausgeben der Noten unter den oben angegebenenBeschränkungen in die Hände von besonderen Beamten gelegt werden kann, die, wie dieBeamten des Tilgungsfonds, nur dem Parlamente verantwortlich wären. Ricardohat seine Ansicht, mit besonderer Beziehung auf die Bank von England und die Landban-ken, in der berühmten Schrift: ,,?roposaIs s»r an economicsl null securv currency"weiter ausgeführt und sich bestimmt dahin ausgesprochen: „Das Publicum gegenalle andere Veränderungen in dem Tauschwerthe des Umlaufsmittels sichern, als diejeni-gen sind, welchen ihr Maßstab selbst unterworfen ist, und zu gleicher Zeit den Güterum-lauf mit dem wenigst kostspieligen Umlaufsmittel besorgen, heißt den vollkommensten Zu-stand erreichen, in den ein Umlaufsmittel gebracht werden kann, und wir (Engländer)würden alle diese Vortheile besitzen, wenn wir die Bank zur Einlösung ihrer Noten mitungemünztem Golde oder Silber nach dem Gewichte und Preise in der Münzstätte anstattmit Guineen verpflichteten. Durch dieses Mittel würde man verhüten, daß das Papier-geld jemals unter den Tauschwerth der Barren siele, ohne daß zugleich eine Verminderungseiner Menge erfolgte " — Ricardo's Theorie ist namentlich in Deutschland heftig be-kämpft worden, allein die Angriffe gingen von einem Misverständnisse aus. Man nahman, Ricardo habe sein vollkommenstes Umlaufsmittel, das Papier, unbedingt und allge-mein zur Einführung empfohlen. Dies ist aber nicht der Fall. Er schrieb für Großbri-tannien, ein Land, wo das Metallgeld dem raschen, riesenmäßigen Geschäftsverkehr längstnicht mehr genügte und das Papiergeld zum Bedürfnis geworden war; zu einer Zeit, wodie Noten der Bank von England-20 Jahre lang als Staatspapiergeld, als gesetzlichesZahlungsmittel, nicht einlösbar gegen Metall, im Umlauf waren, ohne im Eurse tiefergesunken zu sein als einige Procente, was sich durch zu starke Emission erklären ließ;nach einer Krisis (1797), als deren Ursache Ricardo lediglich den panischen Schreckenbetrachtet, der sich des Publicums bemächtigt hatte. Seine Theorie des Papiergeldesstützte sich daher auf gegebene Verhältnisse und große unleugbare Thatfachen; doch modisi-cirte er sie für die Anwendung dahin, daß die Noten gegen Goldbarren cinzulösen seien.Vor Aufnahme der Baarzahlungen im Jahre k821 wurde dieser Vorschlag Ricardo's vomParlamente zum Gesetz erhoben; allein die häufigen Fälschungen, welche bei kleinerenBanknoten vorkamen, zeigten, daß es gefährlich sei, solche im Umlaufe zu lassen,und rathsam, wieder Münzen an ihre Stelle zu setzen; deshalb wurde die Bank an-gehalten, ihre Baarzahlungen, statt in Barren, wieder in Münzen zu bewerkstelligen.Mit Ri ca rdo stimmt im Wesentlichen auch M'Cul loch überein (Note 9 zu der Aus-gabe von Adam Smith). Er macht besonders darauf aufmerksam, daß das eigent-liche Papiergeld (nicht einlösbar und gesetzliches Zahlungsmittel) seinen Werth nicht vondem Vertrauen ableite, sondern daß es eben umlaufe, weil es gesetzliches Zahlungsmittel,und weil ein Umlaufsmittel für den Verkehr unentbehrlich ist; darum verhält sich, beigleicher Nachfrage, sein Werth umgekehrt wie die Menge. Gold und Silber können inkeinem Lande beliebig beschränkt werden. Die edeln Metalle haben noch immer, trotz al-ler Maßregeln, ihren Weg von den Märkten, wo sie am Wohlfeilsten sind, auf jene ge-funden, wo sie am Höchsten stehen, und Locke schon vergleicht die Ausfuhrverbote, wo-durch man das Gold im Lande halten wollte, mit dem Versuche, einen Kuckuck einzuzäu-nen. Die Leichtigkeit, Barren zu versenden, ist so groß, daß der Preis des Goldes inFriedenszeiten auf größeren Geldmärkten, z. B. London, Amsterdam und Hamburg,