456 Papiergeld.
sind die Mittel, um das Papiergeld im Gleichwerthe mit dem Metallgelde zu erhalten?
-— Adam Smith beantwortet diese Frage dahin, daß es genüge, das Ausgeben vonRoten unter einem bestimmten Minimum zu verbieten und die Ausgeber anzuhalten,ihre Noten aufBegehren jederzeit gegen Münze einzulösen. Allein Adam Smithhatte dabei nur die Privatbanken in England und Schottland vor Augen und ihreNoten; also nur das Privat-Papiergeld. In dem letzten Capitel seines Werks, dem überdie „Staatsschulden", erwähnt er zwar des Papiergeldes der amerikanischen Colonieen, legtaber an dasselbe den nehmlichen Maßstab. In neueren Zeiten wird aber die Benennung„Papiergeld" vorzugsweise und von Einigen ausschließlich für diejenigen Werthzeichengebraucht, welche der Staat oder eine von ihm abhängige Anstalt ausgiebt, Werthzeichen,die als gesetzliches Zahlungsmittel gelten und nicht nach dem Belieben des Inhabers oderin einer bestimmten Frist gegen Münzen eingelöst werden. Hier stehen wir nun an demPunkte, die von Ricardo bezüglich auf das Papiergeld gestellte Theorie zu betrachten.(In dem 27. Hauptstück von David Ricardv's Grundgesetzen der Volkswirthschaft undder Besteuerung. Deutsch von Baumstark, Leipzig, 1837, bei Engelmann.) Sieist folgende.
So lange der Staat allein Geld münzt und keinen Schlagschatz darauf legt, bleibtdas Geld auf demselben Tauschwerthe, wie jedes andere Stück des nehmlichen Metallsvon gleichem Gewicht und Feingehalt; wenn aber der Staat für die Prägung einenSchlagschatz erhebt, so übersteigt das gemünzte Geldstück den Tauschwerth des ungemünz-ten Metallstückes um den ganzen Betrag des erhobenen Schlagschatzes, weil eine größereArbeitsmenge oder, was dasselbe ist, der Tauschwerth des Erzeugnisses einer größeren Ar-beitsmenge erforderlich ist, um es sich zu verschaffen. So lange der Staat allein münzt,kann es für die Größe des Schlagschatzes keine Gränze geben; denn durch Beschränkungder Münzmenge kann die Münze aus jeden denkbaren Tauschwerth gesteigert werden. —Dies ist das Grundgesetz, auf dem der Umlauf des Papiergeldes beruht; die ganzeAusgabe für Papiergeld kann als Schlagschatz betrachtet werden.Obschon dasselbe keinen inneren Werth hat, so ist dennoch sstn Tauschwerth, wenn manseine Menge beschränkt, so groß als jener einer Münze von gleicher Benennung oder desMetalls in dieser Münze. Nach dem nehmlichen Grundgesetze würde auch, bei gehörigerBeschränkung der Menge, eine geringhaltige Münze zu dem Tauschwerthe umlaufen, densie haben müßte, wenn sie das gesetzliche Gewicht und den gesetzlichen Feingehalt hätte, undnicht nach dem Tauschwerthe des Metalls, welches sie wirklich enthält. Darausfolgt, daß das Papiergeld keineswegs gegen Münze einlösbar zusein braucht, um ihm seinen Umlaufzu sichern. Es ist blos nothwendig, daß seineMenge nach dem Tauschwerthe des Metalls geregelt werde, welches zum Maßstab dessel-ben erklärt ist. Wäre dieser Maßstab Gold von gegebenem Gewichte und Feingehalt, sokönnte das Papiergeld mit jedem Sinken des Tauschwerthes des Goldes, oder, was derWirkung nach das Nehmliche ist, mit jedem Steigen der Güterpreise vermehrt werden. —Nach der Errichtung von Banken hat übrigens der Staat nicht mehr allein die Macht,Geld in Umlauf zu setzen; das Umlaussmittel wird durch Bankpapier eben so gut wiedurch Münze vermehrt, so daß, wenn ein Staat damit umginge, sein Geld zu verschlech-tern und dessen Menge zu verringern, er dessen Tauschwerth nicht halten könnte, weil dieBanken die Macht haben, zu der Gesammtmenge des Umlaufsmittels noch das Ihrigehinzuzufügen. Endlich zeigt die Erfahrung, daß weder ein Staat noch eine Bank jemalsdie unbeschränkte Nacht, Papiergeld in Umlaufzu setzen, gehabt hat, ohne dieselbe zumißbrauchen. In allen Staaten sollte daher das Ausgeben von Papiergeld einer Be-schränkung und Aufsicht unterworfen sein, und Nichts scheint hierzu so geeignet, als daßman die Ausgeber von Papiergeld der Verbindlichkeit unterwerfe, ihre Noten entweder inGoldmünzen oder in Goldbarren zu bezahlen. — Ein Umlaufs mittel istin seinem vollkommensten Zustand, wenn es ganz aus Papiergeldbesteht, aber von gleichem Tauschwerth wie das Gold, als dessenVertreter es sich bekennt. Der Gebrauch von Papier anstatt Gold setzt an dieStelle des kostspieligsten Umlaufsmittels das wohlfeilste und befähigt das Land, ohne