Papiergeld. 455
verkehr, nicht für den Verkehr mit ihren Kunden; denn diese bringen ihnen Geld undnehmen ihnen keines. Daher können Bankgeschäfte der Industrie und dem Handel dienehmlichen Dienste leisten, wenn sie ihr Papiergeld auf die Circulation zwischen denHändlern beschränken, als wenn sie es in den kleinen Verkehr bringen. Letzteres ist daherschädlich und nützt in keiner Weise. ^
Auf die Behauptung, daß die Vermehrung des Papiergeldes, indem sie die Mengeder Umlaufsmittel vergrößere, also ihren Werth verringere, nothwendig die Geldpreisealler Güter erhöhen müsse, bemerkt Adam Smith, daß dies bei Banknoten, dieaufVerlangen unbedingt gegen Münze eingelöst werden, nicht nothwendig der Fall sei,da die aus dem Umlauf gezogene Menge von Gold und Silber immer der Menge des indenselben gebrachten Papiers gleich sei, also das Papiergeld nicht nothwendig die Mengeder Circulationsmittel vermehre. Er führt dafür ein Beispiel aus Schottland an, wodie Getreidepreise zu einer Zeit, wo sehr viel Papier im Umlauf war, doch sehr niedrigstanden. Anders verhalte es sich freilich mit einem Papiere, dessen Einlösung entwedervon dem guten Willen des Ausgebers abhängt, oder von Bedingungen, die der Inhabernicht immer erfüllen kann, oder dessen Einlösung erst nach einer Reihe von Jahren gefor-dert werden darf und das in der Zwischenzeit keine Zinsen trägt. Ein solches Papierwird allerdings nach Maßgabe dieser Verhältnisse upter den Werth des Metallgeldes her-absinken. Aus allen diesen Betrachtungen schließt Adam Smith, daß, wenn eineSumme festgesetzt wird, unter welcher keine Noten ausgegeben werden dürfen; wenn fer-ner die Ausgeber angehalten werden, ihr Papier aufVerlangen sogleich und ohne Bedin-gung gegen Münze einzulösen, ihr Geschäft, ohne Gefahr für das Publicum, in j>ederanderen Beziehung vollkommen freigegeben werden könne.
Die Vortheile der edeln Metalle als Stoffe für Geldmünzen sind bekannt und durchden allgemeinen Gebrauch anerkannt; allein wenn diese Metalle gar Nichts mehr zu wün-schen übrig ließen, so würde Niemand daran gedacht haben, sie ganz oder theilweise durchandere Stoffe zu ersetzen. Wir haben bereits gesehen, daß die großen Kosten der Her-beischaffung und Unterhaltung des Metallgeldes ein Hauptanlaß zu den mannigfaltigenErfindungen waren, dasselbe im Umlaufe zu sparen und wohlfeilere Stoffe dafür einzu-führen. M'C ulloch berechnet in der 9. Note zu seiner Ausgabe von Adam Smith,daß ein Umlaufsmittel von 50 Millionen Goldstücken einen jährlichen Verlust von 3Millionen solcher Stücke verursache, und zwar 2^ Millionen Zinsen zu5Proc., welchedie Eigenthümer beziehen würden, wenn sie ihr Gold nicht als Münze, sondern als wer-bendes Capital verwenden könnten, und ^ Million für jährliche Ergänzung, um dieVerluste ^durch Abnützung, Schiffbruch, Feuer u. s. w. zu ersetzen. Für Frankreich be-rechnet derselbe die jährlichen Kosten der Circulation des Metallgeldes auf 141 MillionenFranken. Der Vorzug der edeln Metalle, daß sie bei geringem Körperinhalt einen großenWerth darstellen, geht ebenfalls nur bis zu einem gewissen Grade, über welchen hinausz. B. die Versendung großer Summen auf. weite Strecken bedeutende Kosten verursacht.
'— Die Wechsel, mittelst deren größere Summen auf weite Entfernungen durch dieVersendung einer schriftlichen Urkunde statt eines Münzquantums übermittelt werden;die Abrechnungen der Kaufleute an großen Handelsplätzen, wie z. B. in dem cle-w-inZ-Iioiise jn der Lombardstraße zu London, wo Geschäfte im Belaufe von Millionendurch Ausgleichung gegenseitiger Forderungen mit einer verhältnißmäßig geringen Summeabgemacht werden; die Depositen- und Girobanken, welche nicht nur die Bar-zahlungen der Theilhaber in ein bloßes Ab- und Zuschreiben der Beträge verwandeln, son-dern auch ein gutes, unveränderliches Geld (das Bankgeld) sichern, — sind lauter Mit-tel, um den Gebrauch und die Versendung des theuern Artikels Gold und Silber zusparen. Dessen ungeachtetkann weitaus bei der größeren Menge der Geldgeschäfte keinesdieser Mittel angewendet werden, und eine ansehnliche Quantität Metallmünze wird nochimmer unentbehrlich sein. Hier tritt das Papiergeld ein, um eine weitere Verminderungdes theueren Umlaufsmittels und eine productive Verwendung des entbehrlich gewordenenTheiles möglich zu machen. Die Lebensfrage, worauf es hierbei ankommt, ist: Welches