452 Papiergeld.
die Metallmünzen, woraus sie besteht, oder wir verbinden damit eine mehr oder wenigerdunkle Vorstellung von der Gütermenge, die man sich dafür verschaffen kann, von derFähigkeit zu kaufen, welche man durch ihren Besitz erhalt. Sagt man uns z. B.: diein einem Lande umlaufende Geldsumme betrage 100 Millionen, so haben wir nur dieMünzen vor Augen ; hören wir dagegen, Jemand habe ein jährliches Einkommen von10,000 Fl., so stellen wir uns nicht nur die Münzmenge vor, sondern auch die Güterund Lebensgenüsse, welche man sich dafür verschaffen kann. Die doppelte Vorstellung,welche wir mit dem Worte „Einkommen" verbinden, darf uns aber nicht zu einer dop- ^pelten Schätzung desselben verleiten. Das Einkommen ist nur einem der beiden Werthegleich, entweder dem Gelde oder dem Geldeswerthe, nicht beiden zusammengenommen.Wenn ein Privatmann jede Woche eine Guinee einnimmt, so kann er sich im Laufe derWoche dafür Bedürfnisse und Lebensgenüsse verschaffen. Je nach der Menge derselbenbemißt sich die Größe seines Einkommens. Dieses ist nicht gleich der Guinee u n d dem,was er dafür anschaffen kann, sondern nur einem dieser beiden gleich großen Werthe,und zwar der Gütermenge eher als der Münze, dem Werthe der Guinee mehr als derGuinee selbst. — Erhält der Mann jede Woche einen Wechsel im Betrage einerGuinee, so besteht sein Einkommen sicher nicht in dem Stück Papier, sondern in Dem,was er dafür bekommen kann. Könnte er Nichts dafür eintauschen, so wäre das Pa-pier, wie ein Wechsel auf einen Falliten, nicht mehr werth als ein unbeschriebenesBlatt. Eben so besteht auch das Volkseinkommen nicht in den Geldsummen, welche dieEinzelnen einnehmen, sondern in der Menge von Gütern, über welche sie dadurch ver-fügen können. Dabei ist zwischen dem Einkommen des Einzelnen und dem der Gesammt-heit noch der weitere Unterschied, daß die Geldsumme, welche Jener erhält, meistens derbeste und kürzeste Ausdruck für seine Einnahme, d. h. für die Menge von Bedürfnissenund Lebensgenüssen ist, worüber er verfügen kann; die ganze Geldmenge eines Landesdagegen ist viel geringer an Werth als die Gütermenge, welche die Einzelnen sich dafürverschaffen können, da das Geld von Hand zu Hand läuft und ein und dieselbe Münzedas Jahr hindurch zu^ielen Käufen gebraucht wird. „Geld, das große Umlaufsrad, dasgroße Handelswerkzeug, bildet zwar einen Theil und einen höchst werthvollen Theil desCapitals, aber keinen Theil des Einkommens der Gesellschaft, welcher es gehört; undobgleich die Metallmünzen, aus denen es besteht, im Verlause ihrer jährlichen Circu-lation Jedem sein betreffendes Einkommen zuweisen, so machen sie doch selbst keinenTheil jenes Einkommens aus."
Das Geld, obgleich ein Theil des umlaufenden Capitals, hat doch mit denMaschinen und anderen Bestandtheilen des stehenden Capitals auch Das gemein,daß, wie jede Ersparniß an den Kosten der Verfertigung und Unterhaltung jener Maschi-nen, welche die Productionskraft nicht vermindert, eme Vermehrung des reinen Volks-einkommens ist, eben so jede Ersparniß an den Kosten der Anschaffung und Unterhaltungdesjenigen Theiles des umlaufenden Capitals, welcher in Geld besteht, eine Vermehrungderselben Art ist- „Die Einführung von Papier an die Stelle von Gold- und Silbergeldersetzt ein sehr theueres Werkzeug des Handels durch ein weitwohlfeileres und zuweilen eben so taugliches. Der Umlauf wird alsdann durchein neues Rad betrieben, welches weniger anzuschaffen und zuunterhalten kostet als das alte." — Um zu erläutern, in welcher Weise dieOperation vorgenommen wird und in welcher Weise sie zur Vermehrung des rohen oder ?reinen Volkseinkommens beitragt, unterwirft Adam Smith die bekannteste Art vonPapiergeld, die Banknoten, einer näheren Untersuchung. Wenn ein Bankier das Ver-trauen genießt, daß er jederzeit im Stande sei, die Scheine (zirnmis^or)' uotes),welche erausgiebt, aufVerlangen gegen baares Geld einzulösen, so stehen sie im Coursedem Gold und Silber gleich. Der Bankier leiht seinen Geschäftsfreunden solche Scheineund bezieht dafür die nehmlichen Zinsen, als ob er baares Geld dargeliehen hätte. Die-ser Zins ist die Quelle seines Gewinns. Ein Theil der Scheine kommt zwar zur Einlö-sung zurück; ein anderer Theil dagegen bleibt Monate und Jahre lang im Umlauf. An- 'genommen, der Bankier habe für 100,000 Fl. Scheine ausgegeben, so kann ein baarer