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Papiergeld.
übrigens die alten Versuche nicht besser gelungen zu sein als im Abendlande so viele neuere.
Die chinesische Bank fallirte, und das Papiergeld (Tschao) war im 15. Jahrhundert so ^tief gesunken, daß es nur noch drei Tausendstel seines Nennwerths galt. Das Law'scheSystem und die Assignaten sind also in China langst schon da gewesen. — Häufig sind dieBeispiele, wo Belagerte und Belagerer den Mangel an guten Münzen durch ein Werth-zeichen ersetzten, welches die nehmlichen Dienste that wie jene, bis die Noth vorüber war.
So erzählt v. Raumer in seiner Geschichte der Hohenstaufen (lll. 542), wie KaiserFriedrich ll. bei der Belagerung von Fanuza Münzen aus Leder schlagen ließ und fals Augustalen ausgab; das Versprechen der späteren Einlösung verschaffte ihnen all-gemeinen Cours; Aehnliches geschah bei der Belagerung von Leiden durch die Spanierund in vielen anderen Fällen.
Wir dürfen übrigens die Erfindung des Papiergeldes weder für etwas Zufälliges nochfür das Werk eines vorübergehenden Nothstandes ansehen. Der Credit wird eineNothwendigkeit, sobald ein Volk sich zur Seefahrt in ferne Länder und zu weitaussehen-den Handelsunternehmungen wendet, um die Erzeugnisse ferner Zonen gegen eigene oderfremde Producte umzutauschen. Die Mecallmünze reicht dann nicht mehr aus für dieins Riesenhafte vermehrten und vergrößerten Umsätze; sie ist auch viel zu schwer-fällig und zu theuer, um dem beflügelten Verkehre nachzufolgen und zu genügen.
Gold und Silber strömen dahin, wo man sie am Vortheilhaftesten verwenden kann, undder Credit füllt die Lücken durch Zeichen aus, die er immer zu schaffen versteht und die ein-ander ähnlich sind. Die Banken der Chinesen und der delphischen Priester, der Venetia-ner, Holländer und Briten, die Wechsel der italienischen Republiken, das wohlfeile (gleichviel, ob Eisen-, Leder-oder Papier-) Geld der Spartaner, Athener, Karthager und derneueren Völker sind ähnliche Wirkungen ähnlicher Ursachen, Werkzeuge des Credits, derstets erscheint, wenn seine Zeit gekommen ist, der Individuen und Nationen zu Macht undReichthum erhebt, wenn er weise und vorsichtig angewendet wird, der aber auch den Mis- >brauch furchtbar rächt und dann leider nicht allein die Schuldigen trifft. Den Ursprungdes Papiergeldes faßt Mac Cu Noch in den Noten zu seiner Ausgabe von AdamSmith (S. 488) in wenig Worten zusammen, wie folgt: „Die Zahlungsverbindlich-keiten Einzelner wurden frühzeitig niedergeschrieben. Dies ist nothwendig, um demGläubiger Sicherheit zu geben, daß er den vollen Betrag seines Darlehens ansprechenkann, und dem Schuldner, daß er keiner Ueberforderung ausgesetzt ist; mit einem Worte,um alle jene Streitigkeiten zu vermeiden, die selten ausbleiben, wenn die Bedingungen vonVerträgen nicht deutlich ausgedrückt sind- Im Verlaufe der Zeit und wenn sich die Ge-sellschaft mehr mit dem Handel beschäftigt, beginnen einzelne Inhaber von schriftlichenZahlungsverbindlichkeitenÄnderec dieselben an Dritte abzugeben, denen sie ihrerseits schul-dig sind. Sobald einmal die aus solcher Verwendung jener Urkunden fließenden Vor-theile erkannt sind, wird es für Personen, auf deren Vermögen und Zuverlässigkeit dasPublicum Vertrauen setzt, eine offenbare Quelle von Gewinn, ihre Verbindlichkeiten zurZahlung gewisser Summen in einer solchen Form hinauszugeben, welche dieselben tauglichmacht, als Umlaufsmittel bei den gewöhnlichen Abrechnungen im Geschäftsleben zu die-nen." So entsteht das Papiergeld, hervorgerufen durch den Vortheil der Ausgeber, diesemögen Privatpersonen, Gesellschaften oder Regierungen sein, ausgenommen von demVerkehre, den es erleichtert, sobald er so weit gediehen ist, daß weder das Metallgeld, nochdie Wechsel, noch die Abrechnungen, noch die Umschreibungen bei den Depositenbanken für ^seine Bedürfnisse hinreichen. Es setzt das wohlfeilste Umlaufsmittel an die Stelle destheuersten und befähigt die Nation, die im inneren Verkehre überflüssig gewordenen Mün-zen zum Ankäufe ausländischer Rohstoffe oder Fabrikate zu verwenden.
Im Anfänge des 18. Jahrhunderts belebten Holland und England ihre Industrieund ihren Seehandel durch die Macht des Credits. Die Banken in Amsterdam und Lon-don bewährten sich als treffliche Werkzeuge, Capitalien loszumachen von ihren Fesseln undeiner gewinnbringenden Thätigkeit zur Benutzung zu übergeben. Vor Hollands Crediterlag Ludwig XIV., wie hundert Jahre später der Credit Großbritanniens Napoleon nach ,St. Helena brachte. Frankreich lag elend darnieder. Die Zurücknahme des Edicts von