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10 (1848) [Not - Pra]
Entstehung
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Papiergeld. 449

diesem Zeichen nicht wirklich innewohnt, sondern entweder auf der allgemeinen Meinungberuht, daß man denselben jederzeit für dieses Zeichen erlangen kann, oder auf dem Be-dürfnisse des Verkehrs, in welchem das Werthzeichen als gesetzliches Zahlungs-mittel umläuft.' Wenn ein Staat durch Münzvecschlechterung sich aus der Noch zuhelfen sucht und dadurch Uebelstände herbeiführt, so beweisen diese Nichts gegen den Nutzendes Metallgeldes. Eben so wenig beweist der mit dem Papiergelde getriebene MisbrauchEtwas gegen den Nutzen des rechten und rechtzeitigen Gebrauchs. Das Papiergeld un-terscheidet sich von den übrigen Ereditpapieren (Staats- und anderen Schuldverschreibun-gen, Wechseln u. dgl.) dadurch, daß es ohne alle Förmlichkeiten der Uebertragnng vonHand zu Hand geht und weder Zinsen noch Disconto tragt. Es giebt auch eine Mittel-gattung , welche mit dem Papiergeld die ungebundene Umlaufsfähigkeit und mit den übri-gen Ereditpapieren den Zinsengenuß gemein hat. Solches ist in neuerer Zeit in Oester-reich der Bank und in Sachsen der Gesellschaft für die Eisenbahn von Chemnitz nach Riesagestattet worden. Die sächsische Regierung nahm jedoch die Erlaubniß zur Einlösungdieser Zehnthalerscheine, welche bei dem Publicum sehr beliebt waren, wieder zurück.

Nach der Person des Ausgebers unterscheidet man Staatspapiergeld (Papiergeld imengeren Sinne) und Privatpapiergeld (Banknoten).

Wir gehen nun tiefer in die Sache ein, um, nach einem kurzen geschichtlichen Ueber-blicke, durch die Ansichten der bewährtesten Staats- und Geschäftsmänner und Lehrer derWissenschaft die Natur und das Wesen des Papiergeldes zu beleuchten, die Bedingungen,unter welchen sein Gebrauch nützlich und nothwendig wird, so wie die Vorsichtsmaß-regeln gegen den Misbrauch, welche die Erfahrung bis jetzt an die Hand giebt, übersichtlichdarzustellen.

kl. Geschichtliches. Die neueren Forschungen über den Staatshaushalt deralten Völker haben zu der Entdeckung geführt, daß ihnen, wenn sie auch kein System derNationalökonomie hatten, doch die wichtigsten Sätze der Wirthschaftslehre und die meistenEinrichtungen, die wir so gern für neu halten, nicht unbekannt waren. Wir wissen, daßmit dem Tempel zu Delphi ein Institut verbunden war, welches mit unseren Depo-siten - und Girobanken große Ähnlichkeit hatte. Die Theorie von dem Gebrauchs - undTauschwerthe finden wir in der Politik des Aristoteles (l. 9) entwickelt; der Weisevon Stagira behauptete gegen Platon, daß auch die Production der geistigen Güter in dieVolkswirthschastslehre gehöre. Das wohlfeile Geld, Ricardo's Ideal, war bei denSpartanern verwirklicht, doch nicht zu dem Zwecke, die edeln Metalle im auswärtigenHandel zu verwenden; dagegen ersetzten die Athener eine Zeit lang die für ausländischeErzeugnisse hingegebenen Gold - und Silbermünzen durch eiserne, welche zu einem einge-bildeten Werthe im inneren Verkehre umliefen und später eingelöst wurden. Die Kar-thager hatten ebenfalls Werthzeichen, die nicht nachgemacht werden konnten, weil derStoff, woraus sie gefertigt wurden, ein Staatsgeheimniß blieb (Heeren's Ideen S. 164ff.). Seit Böckh in seiner Staatshaushaltung der Athener (II. 137) darauf aufmerk-sam gemacht, citiren unsere meisten Compendien die Stelle aus Platon, wo er vor-schlägt, daß im Inneren des Staates ein für den Fremden ganz werthloses Geld umlaufe;allein Platon will dies nicht, um Gold und Silber zu sparen, sondern weil er,wie Lykurg, dieedeln Metalle für verderblich hält. Die Regierung soll nach ihm einen Vorrath allgemeingültiger Münzen (xocr-ov vozeeostv-) für den Krieg und für Reisen IN das Aus-

land im Vorrath halten; die Bürger unter sich sollen nur das vozitszi« önexwptov ge-brauchen. Beiden Chinesen, die bekanntlich Alles vor uns erfunden haben, ohnedeshalb uns als Muster vorzuleuchten, kommt das Papiergeld ebenfalls, und zwar zu ver-schiedenen Zeiten vor. Klaproth giebt in seinen .Memoire« relstiks L I'^sie" (?Lris,1824) die Chinesen als die eigentlichen Erfinder des Papiergeldes an. Der KaiserHian-Tsung nöthigte im Anfänge des 9. Jahrhunderts die Reichen, ihr baares Geldin den Schatz zu liefern und dafür Papier, Feh-Thsian (fliegende Münze) zu nehmen; imAnfänge des 11. Jahrhunderts gab eine Gesellschaft von 16 Kaufleuten Banknoten (KiaoThsü) aus, und der arabische Scheik Jbn Valuta fand, nach seinem Reiseberichte, inder Mitte des 14. Jahrhunderts fast ausschließlich Papiergeld in China. Dort scheinenStaats - Lerikon. X. 29