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Pädagogik.
Es ist nicht zu leugnen, daß in dieser Hinsicht ein der deutschen Pädagogik schon vor fünfzigJahren gemachter Vorwurf, daß wir in dieser Ueberschatzung des bloßen Unterrichts nochso ziemlich bei den Principien des finsteren Mittelalters stehen geblieben sind^), auchnoch auf unsere Zeit paßt. Vor Allem also sorge man dafür, daß dieses Vocurtheil, alswenn durch bloßen Unterricht die große Sache der Erziehung abgemacht werden könne,endlich allgemein in seiner Unzulänglichkeit, wo nicht Verderblichkeit anerkannt werde.Hierin kann und muß der Staat mit seinem Beispiele vorangehen, indem er in allenvon ihm gestifteten oder doch beaufsichtigten Schulen bei der Anstellung von Lehrern undLehrerinnen vorzüglich darauf sieht und dringt, daß sie nicht blos die Didaktik oder Lehc-kunst, sondern die Pädagogik als Erziehungskunst und Wissenschaft inne haben!8ic kbollus, tue sults! Aber dieselbe Forderung gilt allen Staatsbürgernohne Ausnahme; keiner derselben darf, wenn er als Vater oder Vormund die Pflicht zuerziehen hat, sich derselben dadurch für überhoben oder entledigt halten, daß er durch An-dere für den Unterricht seiner Kinder sorgen läßt. — Freilich liegt darin indirect auchdie Forderung, daß die öffentlichen wie die Privaterzieher äußerlich so gestellt sind, umjener erhöhten Anforderung auch entsprechen zu können; und gerade dieser finanziellePunkt sollte von den Mitgliedern der Ständeversammlungen gehörig berücksichtigt und er-ledigt werden.
Auf eine zweite Hauptaufgabe für die Zukunft ist ebenfalls schon oben hingedeu-tet worden nehmlich die endliche Verbannung der herkömmlichen einseitigen Ver-standesbildung, die Ueberladung mit bloßen Kenntnissen, während man dasHerz und den Charakter zu bilden für eine Nebensache hält; nicht zu gedenken, daßüber jene Einseitigkeit auch die Körperbildung und Gesundheit vernachlässigtzu werden pflegt, wie dieses neuerdings durch Lorinser's, Froriep's u. A. Schriften zur Ge-nüge nachgewiesen worden. In allen unseren Unterrichtsanstalten, namentlich auch inden sogenannten Real- und polytechnischen Schulen, sollte man mit der größ-ten Sorge zugleich auf die Ausbildung zur Sittlichkeit, Rechtlichkeit und Religiosität se-hen, wie dieses in Bezug auf die genannten Anstalten einer unserer ersten Staatswirth-schaftslehrer treffend nachgewiesen ^'). Und in noch höherem Grade sollte dieses natürlichin Bezug auf unsere Gymnasien und Universitäten der Fall sein, auf welchen alle Diejeni-gen ihre Vorbildung erhalten, welche später als Staatsmänner, Geistlichem, die ganzeLeitung und Regierung des Volks zu besorgen haben. Wie sehr es aber gerade auf diesenwichtigsten aller Bildungsanstalten an diesem Hauptpunkte gebricht, ist nur zu bekannt,und gegen die Nothwendigkeit einer desfallsigen inneren Reform des Universitätswe-sens werden sicher auch die entschiedensten Vertheidiger des letzteren Nichts einzuwendenhaben 22).
Da wir eben von den Universitäten reden, so wollen wir gleich hier noch einer drit-ten hochwichtigen staatspädagogischen Aufgabe gedenken, nehmlich der Errichtung päda-gogischer Seminare auf allen Universitäten, über deren Nothwendigkeit Professor
79) „In Ansehung des Verhältnisses des Unterrichtes zur Erziehung ist unser Zeitalter seitKarl dem Großen um keinen Buchstaben besser belehrt. „„Die Kinder müssen Christenthumlernen"", sagten die Lehrer in den deutschen Klöstern, „„damit sie lernen Gutes vom Bö-sen zu unterscheiden und durch ein frommes Leben den Himmel zu verdienen."" — DieKinder müssen über Das, was zu ihrer Glückseligkeit gehört, unterrichtet werden, da-mit sie sich und Andere glücklich machen können! sagen die Erzieher bis heute noch. Danun dieses ohne Belehrung nicht möglich ist und die Belehrung jederzeit wissenschaftlich ist,so wird der Erzieher nur ein Lehrer sein oder sein Geschäft aufgeben müssen." Heusin-ger in einem Aufsatze in Erhard Schmid's philosophischem Journal (Jena 1794). Bd. III.St. 3. S. 333.
80) Vergl. die früher mitgetheilte Stelle aus v. Aretin's und v. Rotteck'sStaatsr. der const. Mon. und Jahn's Volksthum S. 262: „In den wichtigsten Augen-blicken ist selten der Verstand, desto häufiger das Herz des Menschen Schutzgeist" u. ft
81) Lotz, Staalswirthsch. Bd. Hl. S. 65 ff.
82) Das Nähere hierüber in Scheidler's Hodegetik S. 9 ff., S. 463 ff. und diedaselbst angeführte Literatur.