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10 (1848) [Not - Pra]
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Pädagogik.

sation des Volksschulwesens voran, und Sachsen folgte diesem Beispiele un-mittelbar nach. Im Jahre 1763 wurde das preußische Generallandschulen-Reg l e-m ent" promulgirt, welches der zehn Jahre spater erschienenen sächsischenneuenSchulordnung für die evangelischen Elementarunterrichts-Anstalten" in vieler Hinsichtzum Muster diente ^). Indessen scheint das sächsische Schulwesen damals dem preußi-schen vorangerückt zu sein; denn Friedrich ll. befahl, die schlechtesten Landschullehrerweg- und statt ihrer sächsische Schullehrer anzuschaffen", zu deren besserer Besol-dung er jährlich 4000 Thlr. aussetzte. Dieses geschah im Jahre 1771, und merkwürdigsind die königlichen Worte:Die Erziehung der Jugend ist bis dahin undbesonders auf dem Lande noch ganz vernachlässig tworden; die bestenSchulmeister sollten zum Beispiel gut zu formirender Schulmei-ster angestellt werden." Friedrich's gute Absicht wurde indessen nicht erreicht;denn statt der tüchtigeren sächsischen Schullehrer wurden meistens junge (preußische)Geistliche auf die nun einträglicheren Stellen befördert. Auch traten in Preußen undSachsen (und zwar auch in den sächsischen Herzogthümern) ziemlich früh die Bestrebungenein, besondere Anstalten für Lehrerbildung zu treffen, und man findet der-gleichen Anstalten, die häufig mit dep Schulen in Waisenhäusern verbunden waren,schon im achtzehnten Jahrhunderte zu Königsberg, Jenkau, Stettin, Greifswalde,Breslau, Bunzlau, Halberstadt, Weißenfels, Halle, Magdeburg, Dresden, Frei-berg, Gotha u. s. w. Diesen Beispielen Norddeutschlands folgte bald der Süden. InBaiern wurde im Jahre 1803 die Leitung des Erziehungswesens als ein selbstständigerTheil der Staatsverwaltung einem eigenen Directorium übertragen. In Würtembergwurde noch im vorigen Jahrhunderte die Schulordnung erneuert, und im Jahr 1810 eineganz neue evangelische Schulordnung so wie im Jahre 1811 eben so eine katholische ein-gesührt. Baden, Hessen, Nassau und Hannover blieben ebenfalls nicht zu-rück. Doch machte das Volksschulwesen erst in den letzten Jahrzehenten die bedeu-tendsten Fortschritte, vor Allem wieder in Preußen, wo bereits im Jahre 1830 28Schullehrerseminarien bestanden, in denen über 1600 Zöglinge gebildet wurden. Dochgestehen alle Sachverständige ein, daß diese Zahl noch lange nicht hinreiche, und noch we-niger ist dieses in den übrigen Staaken Deutschlands der Fall.

Wären aber auch schon überall Volksschulen und Schullehrersemi-narien, so würde doch damit keineswegs schon auf die rechte Weise für die Volksbildungund Volkserziehung im wahren Sinne gesorgt sein. Dieses führt uns nun un-mittelbar auf die wichtigsten staalspädagogischen A u fg abe n der Zukunft, als derenerste wir bezeichnen: die Sorge des Staats, Bildung von Lehrern und Lehrerin-nen zu der Bildung von eigentlichen Erziehern und Erzieherinnen zu erheben.So viel auch in unserer Zeit und namentlich in unserem Vaterlande in staatspadagogi-scher Beziehung geschehen ist, so zeigen sich diese Bestrebungen doch zugleich nicht nur ansich, wie alles Menschliche, unvollkommen und der Verbesserung bedürftig, sondern siesind auch, zum Theil wenigstens, geradezu falsch und höchst verderblich, in welcher Be-ziehung Antillen ganz recht bemerkt hatdaßin der falschen Richtung der Er-ziehung und des Unterrichts die eigentliche Wurzel der Gebrechen unserer Zeit liegt." Da-hin gehört nun zunächst und vor Allem die gleich anfangs erwähnte Verkennung des wich-tigen Punktes, daß der bloße Unterricht nur ein Theil der Erziehung ist, kei-neswegs aber, wie dieses nur zu häufig geschieht, an die Stelle jener gesetzt werden darf.

nen zu liefern, welche fähig seien, sich mit Geschick den verschiedenen Geschäften zu unter-ziehen, die er ihnen anvertrauen muß. Falsche Politiker, eingeschränkt auf ihre kleinenIdeen, hatten gemeint, es sei leichter, ein unwissendes Volk als ein aufgellärtes zu regie-ren, während die Erfahrung beweise, je dümmer ein Volk, desto eigensinniger und wider-spenstiger sei es, und es habe viel größere Schwierigkeiten, die Hartnäckigkeit eines solchenzu überwinden, als von gerechten Dingen ein Volk zu überzeugen, welches hinlänglich ge-bildet sei, um Vernunft anzunchmen."

77) Vergl. Scherr's Pädagogik. 1839. S. 220 ff. .

78) Vermittelung der Extreme. Bd- 1- S. 196.